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Greatest Hits of Zeitmanagement

In der Wissenschaft gelangt man zu neuen Erkenntnissen, indem man Hypothesen aufstellt und diese dann testet. Die Ergebnisse veröffentlicht man in Studien. Wer keine Lust zum Experimentieren hat oder sich in einem Feld bewegt, in dem schon viel geforscht wurde, der kann auch eine Studie über die vorhandenen Studien machen, eine sogenannte Metastudie. So ähnlich muss man sich den Ansatz vorstellen, den Pamela Dodd und Doug Sundheim für ihren Ratgeber 25 Tools für gutes Zeitmanagement gewählt haben.

Sie stellen darin keine eigenen Idee vor, sondern tragen die besten zusammen, die sie anderswo gefunden haben, genauer gesagt: im Online-Buchhandel. „Wir haben die Kundenrezensionen von mehr als vierzig Büchern zum Thema Zeitmanagement bei Amazon.com gelesen und auf dieser Grundlage dann die besten zwanzig Bücher durchgearbeitet“, erklären die Autoren im Vorwort, Ihr Buch ist die Zusammenfassung der dabei gewonnen Erkenntnisse – eine Art „Greatest Hits of Zeitmanagement“.

Viele Allerweltstipps

Die fünf Kapitel bauen logisch aufeinander auf: Herausfinden, was mir wichtig ist; Planen; Organisieren; Handeln; und schließlich Lernen. Darin finden sich jeweils fünf Abschnitte, die die Autoren „Tools“ getauft haben. Unter einem solchen „Werkzeug“ stellt man sich vielleicht einen originellen Selbsttest vor, einen genialen Trick fürs schnellere Entscheiden oder den perfekten Wochenplan.

Doch weit gefehlt. Die Tools sind lediglich die gleichen Allerweltstipps, die man schon massenhaft in anderen Büchern gelesen hat: “Prioritäten setzen”, “Delegieren”, “Ergebnisse messen” und so weiter. Diese Tipps werden knapp und meist überzeugend zusammengefasst, aber leider ohne, dass die Autoren ihnen einen neuen individuellen Anstrich verpassen könnten.

Ein Album mit „Fülltiteln“

Unterkapitel “17. Risiko” besteht gerade einmal aus einer halben Seite. Die Feststellung „Wenn Ihr ganzes Streben auf Bequemlichkeit ausgerichtet ist, wenn Sie sich auf keinen Fall lächerlich machen und immer perfekt sein wollen, werden Sie nicht viel erreichen“ ist sicher richtig. Der Rat „Eines ist jedenfalls sicher: Wenn Sie sich voll und ganz für ein Ziel einsetzen, werden Sie es auch erreichen.“ ist hingegen in seinem Absolutheitsanspruch Augenwischerei. Oder hat Bastian Schweinsteiger im Champions-League-Finale 2012 den entscheidenden Elfmeter verschossen, weil es ihm am Siegeswillen mangelte?

Auch bei einem Greatest-Hits-Album gibt es manchmal „Fülltitel“ und von den 25 Tools für gutes Zeitmanagement taugt eben nicht jeder etwas. Im Ganzen bietet das Buch dennoch einen soliden Grundstock an Informationen und Tipps zum Thema. Wirklich wunschlos-glücklich wird es interessierte Leser aber kaum machen.

Vorbildlich gelungen ist hingegen der Literaturteil ganz am Ende: Hier setzen sich Dodd und Sundheim mit sieben anderen Ratgebern etwas ausführlicher auseinander und stellen deren Vor- und Nachteile heraus. Nur hier wird das Buch dann tatsächlich zum Meta-Ratgeber.

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