Buch

Wie Ihre Körpersprache Sie verrät

Ein Ratgeber zur Körpersprache von zwei Diplom-Psychologen, knackige 127 Seiten kurz, mit vielen Zeichnungen und Beispielen zu konkreten Berufssituationen? Klingt dem zunächst verlockend, stellt sich bei der Lektüre allerdings leider als Enttäuschung heraus.

Hesse Schrader KörperspracheJürgen Hesse und Christian Schrader wollen in ihrem Buch zeigen, wie man Körpersprache „im Beruf erfolgreich liest, versteht und gezielt anwendet“. Gliederung und Überblicksinformationen überzeugen. Die Autoren erklären, wieso erste Eindrücke so wichtig sind, wie Sympathien entstehen und wie man mit seiner Körpersprache Verhandlungen gewinnen oder verlieren kann.

Der Hauptteil des Ratgebers, in dem es dann konkret um die Facetten der Gestik und Mimik geht, bleibt allerdings nicht nur wissenschaftliche Hintergrundinformationen schuldig, sondern überreißt an manchen Stellen auch nützliche Tipps bis zur hanebüchenen Panikmache. Wer zu einem Vorstellungsgespräch geht, sollte auch davor und danach auf gutes Benehmen achten. In Körpersprache wird daraus:

„Bedenken Sie, dass Sie selbst bei kürzester Wartezeit […] möglicherweise bereits schon unter Beobachtung stehen. Überall können Kameras installiert sein, einige Firmen haben auf diese Weise alles im Blick.“

Körpersprache als Summe möglichen Fehlverhaltens

Köpersprache leidet grundsätzlich unter einem zu einseitigen Fokus. Für Hesse und Schrader, dieser Eindruck drängt sich auf, ist Körpersprache, was von Mimik und Gestik übrig bleibt, wenn man alle Signale vermeidet, die ein Gegenüber negativ interpretieren könnte. Und das sind viele. Eigentlich fast alle. Körpersprache fächert die einzelnen Abschnitte wie Händedruck, Kopfhaltung, Sitzen und Stehen in nicht enden wollende Auflistungen potenziellen Fehlverhaltens auf.


Beim Thema Blicke unterscheidet das Buch: lange, stechende Blicke und solche mit geweiteten Pupillen, Seitenblicke „mit zusammengezogenen Augenbrauen und nach unten gezogenen Mundwinkeln“, lange Blicke mit schmalen Lippen, niedergeschlagene Blicke und Seitenblicke „mit leicht hochgezogenen Augenbrauen und Lächeln“. Selbstredend sind alle Möglichkeiten auf die eine oder andere Weise verräterisch.

Keine Tipps für den Worst Case

Auf sechs Seiten beschreiben die Autoren an anderer Stelle einen Strauß von Möglichkeiten, wie man auf keinen Fall sitzen sollte. Wie es richtig geht, erläutern Sie dann auf einer Seite. Nicht, dass Hesse und Schrader fehlerhafte Informationen liefern würden, nur entfaltet ihr Buch keinerlei motivierende Wirkung, seine eigene Körpersprache zu verbessern, weil die Dos unter all den Don’ts unauffindbar erscheinen.

Außer punktuell erfährt der Leser zu wenig darüber, wie er seine Körpersprache trainieren kann. An einer Stelle entwickeln Hesse und Schrader ein Worst-Case-Szenario einer Bewerberin, der vor ihrem Vorstellungsgespräch alle möglichen Missgeschicke passieren, von müffelnder, fleckiger Kleidung bis hin zu verrutschtem Lidstrich. Die Autoren wollen damit unterstreichen, wie entscheidend der erste Eindruck ist. Interessanter wäre es gewesen, Notfallmaßnahmen zu erfahren, wie die Bewerberin das Ruder noch hätte herumreißen können.

Und so belegt Körpersprache einen zweiten Grundsatz der Sympathie: Was der erste Eindruck andeutet, muss der zweite erst mal bestätigen. Im Falle dieses Ratgebers gelingt das leider nicht.

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