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Zeitmanagement war gestern

Bei Vom Zeitmanagement zur Zeitkompetenz sollte man sich keinen vorschnellen Urteilen hingeben. Das Buch macht zunächst einen etwas ungelenken Eindruck: Aufmachung und Layout wirken etwas dröge. Beim Durchblättern fallen zwar sofort Infokästen, Bulletpoints, Tests und Comics ins Bild, alles macht jedoch einen etwas bemühten Eindruck.

Ebenfalls nicht gerade vor Esprit sprüht die Sprache. Elmar Hatzelmanns und Martin Helds Stil ist akademisch-steif. Wo andere Ratgeber einen heiter-optimistischen oder auch mal anfeuernden Tonfall pflegen, geht es hier zu wie in einer Univorlesung.

Vor zu schnellen Beurteilungen sei jedoch gewarnt. Vom Zeitmanagement zur Zeitkompetenz schmeißt sich nicht ran an seine Leser, aber es bietet etwas, das viele andere Ratgeberbücher vermissen lassen: wissenschaftlichen Tiefgang und Hintergründe. Es verlangt viel Konzentration ab, am Ball zu bleiben, und winkt am Ende auch nicht mit radikal einfachen „Erfolgsrezepten“. Dafür hat man am Ende mehr gelernt als in einem ganzen Regalmeter Motivationsliteratur zum gleichen Thema. Und wer sich besser auskennt, kann sein eigenes Verhalten auch besser optimieren.

Zeit für einen „Paradigmenwechsel“

Vom Zeitmanagement zur Zeitkompetenz setzt sich zunächst mit dem Stand der Forschung auseinander. Bereits diese Mühe machen sich die meisten anderen vergleichbaren Bücher nicht. Anders als sie erhält Hatzelmanns und Helds Ratgeber damit ein solides, wissenschaftliches Fundament. Der Leser wird hier Vieles wiederentdecken von der Eisenhower-Methode bis zum Pareto-Prinzip. Die Autoren sprechen dann aus, was die meisten Interessierten wohl schon immer gedacht haben: Diese Ansätze sind veraltet.

Genau darauf bauen Hatzelmann und Held dann auf. Sie wollen einen „Paradigmenwechsel“ vollziehen, weg vom klassischen Zeitmanagement. Dieses liefere zwar „wichtige Handwerkszeuge zur Strukturierung der Zeit: flexible Planung, Prioritätensetzung und richtiges Timing“, gehe jedoch stets von „Zeitquantitäten“ und „Zeitproblemen“ aus. Nach dem Motto: Mit den richtigen Methoden schaffen Sie mehr in kürzerer Zeit und haben dadurch mehr Freiräume. Die Autoren sehen darin einen Fehlschluss, denn alle Techniken zur Zeitersparnis – von der Eisenbahn bis zum Smartphone – haben nur dazu geführt, dass man sich mehr in Hektik befände. Könnten wir an unseren Arbeitswochen einen achten Tag anfügen, wäre der Zeitdruck dadurch nicht geringer.

Für alle, die mehr wissen wollen

Hatzelmann und Held wollen diesen Ansatz überwinden und dafür benutzen Sie den Begriff der Zeitkompetenz: „Es bezieht die Zeitqualitäten mit ein und blickt auf die temporalen Potenziale“. Das klingt wiederum etwas trocken und wenig konkret. Als Leser erschließt sich allerdings im Verlauf des Buches immer besser, was hier mit Kompetenz gemeint ist.

Es geht darum sich zu kennen und sich im Einklang mit der Umgebung zu bewegen: Was sind meine Ziele? In welchen Rhythmen arbeite ich am besten? Welche Aufgaben kann ich tatsächlich gleichzeitig machen und welchen erfordern meine volle Aufmerksamkeit? Dieser Ansatz ist weitaus vielschichtiger, als es sich hier erschöpfend beschreiben ließe, geht aber deutlich über die „Tipps und Tricks“ der allermeisten anderen Zeitmanagement-Ratgeber hinaus.

Damit empfiehlt sich das Buch für alle, die statt vorgefertigter Ratschläge und „goldener Regeln“ mehr wollen: mehr Fakten, mehr Literaturhinweise, mehr Hintergründe, mehr Blickwinkel und mehr Möglichkeiten für eigene Schlussfolgerungen. Zeitmanagement gibt dafür Instrumente an die Hand; Zeitkompetenz hingegen zeigt, wie man diese optimal anwendet.

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