Ahlerich: The Making of a Dressage World Champion von Reiner Klimke, 1986

Auf Platz 2 der besten deutschen Olympioniken liegt der Mann, von dem man glauben könnte, er hätte das deutsche Dressurreiten erfunden. Nicht zuletzt spricht man deshalb bei Reiner Klimke vom „Grandseigneur“ seiner Sportart und dem „Dressurreiter des Jahrhunderts“.

Geboren wurde der Ausnahmesportler  am 14. Januar 1936 in Münster. Mit zwölf Jahren begann er seine Leidenschaft in der Westfälischen Reit- und Fahrschule seiner Heimatstadt auszuleben.
Die Anfänge auf dem Rücken der Pferde machte er im Vielseitigkeitsreiten, das früher als Military bezeichnet wurde. Es handelt sich dabei um eine Kombinationssportart aus Dressur, Geländeritt und Springparcours.

In den ersten Jahren blieb der spätere Großmeister auch bei dieser Disziplin und sammelte die ersten Turniererfahrungen 1950 in Paderborn. Nur fünf Jahre später folgte der erste internationale Ritt in Thun im Nachbarland Schweiz.


Bei den Vielseitigkeitseuropameisterschaften 1957 erreichte die Mannschaft um Reiner Klimke letztlich den Durchbruch mit der Silbermedaille, drei Jahre später gewann die Mannschaft die Deutschen Meisterschaften.
Aber nur die Erfolge im Reitsport reichten dem „Grandseigneur“ nicht aus – neben dem Sport studierte er noch Rechts- und Staatswissenschaft. 1959 promovierte der damals 23-Jährige und wurde selbstständiger Rechtsanwalt und Notar.
Trotzdem bleib seine Leidenschaft bei den Pferden – Gott sei Dank.
Denn Klimke konzentrierte sich fortan auf die Dressur und schrieb damit Geschichte:

Achtmal wurde der „Grandseigneur“ Europameister in der Mannschaft und viermal Sieger in der Einzelwertung. Viermal holte das deutsche Team den Weltmeistertitel und Klimke gelang es, sich zweimal in der Einzelwertung durchzusetzen. Doch als wenn dies neben den neun Titeln als deutscher Meister noch nicht genug Medaillen wären, , stieg der Münsteraner zweimal auf den Bronze-Platz bei Olympia. Fünfmal trug er mit seiner Mannschaft Gold nach Hause, doch seinen größten Erfolg feierte er mit 54 Jahren bei den olympischen Spielen 1984 in Los Angeles auf Ahlerich.

Ein Jahr zuvor schon, schien der hauptberufliche Rechtsanwalt hellseherische Kräfte zu entwickeln, indem er prophezeite: „In Los Angeles hole ich auf Ahlerich die Einzelgoldmedaille.“ Denn genau das gelang ihm mit einer legendären Kür.
Das Besondere an dieser Performance war für Experten vor allem die Einheit aus Reiter und Pferd und natürlich hielt sich der Großmeister an sein eigenes Lehrmotto, das man heute in allen Reitschulen hört: „Man muss von Dressur nicht viel verstehen, nur so viel: Was schön ist, ist auch gut.“

Dr. Reiner Klimke reitet auf Ahlerich zu seiner ersten und einzigen olympischen Goldmedaille in der Einzelwertung.

Nach diesem Sieg zog sich der Reitsportenthusiast langsam aus dem Profisport zurück, machte jedoch mit seinen Lehrfilmen weiter auf sich aufmerksam, engagierte sich in Vereinen und auch in der Politik für den Bereich Sport. Für dieses große Engagement in allen Bereichen erklärte ihn die Stadt Münster 1986 zum Ehrenbürger und verleiht seit 2003 einen nach ihm benannten Preis für freiwillige Arbeit in den Sportvereinen der Nordrhein-westfälischen Stadt.

Als Reiner Klimke am 17. August 1999 im Alter von 63 Jahren in Folge eines Herzinfarktes stirbt, hinterlässt der Dressurreiter des Jahrhunderts nicht nur seine Vorbildfunktion für alle Reitsportler, sondern auch eine erfolgreiche Tochter, die seinen Weg fortsetzt:
Ingrid Klimke (45) holte beispielsweise in Peking 2008 auf dem Hannoveraner Wallach Abraxxas den Olympiasieg in der Mannschaft und auch dieses Jahr in London war sie eine der treibenden Kräfte der deutschen Équipe im Vielseitigkeitsreiten.
Ihre großartige Leistung in Dressur und Gelände wurde mit dem Mannschaftsgold (der ersten deutschen Goldmedaille 2012) belohnt – der „Grandseigneur“ wäre sicher stolz auf seine Tochter, die neue „Granddame“.
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Jessica Walther

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