Birgit Fischer (erfolgsreichste, deutsche Olympionikin), 2010 Quelle: originally posted to Flickr as Birgit Fischer und Freya Hoffmeister von Landesvertretung Schleswig-Holstein via Wikimedia Commons

Platz 1 geht an eine Sportlerin im Kanurennsport, die seit 1980 durchweg Bestleistungen zeigen konnte und  das Ruder dabei immer in der Hand behielt: Birgit Fischer.

Die gebürtige Brandenburgerin wurde 1962 in eine sechsköpfige Familie geboren, die den Leistungswillen und vor allem den Wassersport im Blut hat: Neben der Erziehung der vier Kinder, machte die Mutter noch ein Studium als Pharmazieingenieurin, ihr Vater, Karl-Heinz Fischer, war nicht nur Elektromonteur sondern auch Kanu-Übungsleiter beim Verein Stahl
Brandenburg. Birgit wuchs also zusammen mit ihren Brüdern quasi im Kanu des Vaters auf und saß bereits im Boot, ehe sie laufen konnte.
Mit sechs Jahren durfte die kleine Birgit unter  Anleitung ihres Vaters  zum ersten Mal das Paddel ins Wasser eintauchen und sie ließ sie so schnell nicht mehr los. Obgleich sie in ihrem ersten Rennen als Siebenjährige unterlag.
Harald Brosig übernahm  ab 1970 das Training der jungen Sportlerin. Er erkannte ihr Talent und sorgte dafür, dass sie zur Kinder- und Jugendsportschule Brandenburg kam. Später, 1976, wurde die Schule in den ASK Vorwärts Potsdam eingegliedert und damit begann die Erfolgsgeschichte der Kanutin Birgit Fischer.


Den Anfang machten die DDR-Meisterschaften, an denen Birgit erstmalig mit 16 Jahren teilnahm und gewann. 1979 folgte der Weltmeistertitel, 1980 wurde sie mit  18 Jahren in Moskau zur jüngsten Kanu-Olympiasiegerin aller Zeiten.
Trotz ihrer herausragenden sportlichen Leistungen ließ sie die berufliche Karriere nicht schleifen. 1982 machte sie ihr Abitur und begann 1984 ein Studium der Sportwissenschaften in Leipzig.
Obwohl sie in eben diesem Jahr als Topfavoritin auf drei Goldmedaillen in Los Angeles gehandelt wurde musste Fischer auf die Spiele verzichten. Grund dafür war der Boykott der Ostblockstaaten, von dem auch die DDR-Sportler betroffen waren.
Die Kanutin nutzte die Zeit, um sich auf das Studium zu konzentrieren und um später wieder mit voller Kraft einzusteigen. Denn 1984 sollten, bis zu ihrem Karriereende 2004, die einzigen Sommerspiele bleiben, die Birgit Fischer verpassen würde.

Insgesamt sechs Mal nahm sie an Olympia teil und dabei blieb sie nur in einem Rennen (1996 im Einer-Kajak) ohne Medaille. Stattdessen stand sie zwölf Mal auf dem Treppchen, acht Mal mit Gold, vier Mal mit Silber um den Hals. Dazu kamen 27 Weltmeistertitel und Auszeichnungen wie Sportlerin des Jahres, Ehrenbürgerin der Stadt Brandenburg sowie zwei Verdienstmedaillen der Stadt Berlin und des Landes Baden-Württemberg.

Ihre letzte Goldmedaille erpaddelte sich Birgit Fischer im deutschen Kajak-Vierer in Athen 2004 und ergänzte damit die Weltrekordranglisten: Nachdem sie schon jüngste Kanu-Olympiasiegerin wurde, holte sie sich mit 42 Jahren und 186 Tagen nun auch den Titel der ältesten Kanu-Goldgewinnerin aller Zeiten. Mit ihren acht olympischen Gold- und vier Silbermedaillen ist die Kanutin aus Brandenburg nicht nur die erfolgreichste deutsche Olympionikin, sie ist auch international die fünfterfolgreichste Olympiateilnehmerin.

Zudem gehört Birgit Fischer zu den wenigen Sportlern, die konstant erfolgreich waren. Sie hat immer wieder Unterbrechungen gemacht, Pausen genommen, nebenbei zwei Kinder großgezogen und noch ein Fernstudium als Sport- und Touristikmanagerin abgeschlossen. Aber ganz gleich ob sie in den ersten Jahren für die DDR oder danach für Deutschland antrat – sie blieb in ihrer aktiven Zeit immer an der Spitze. Vielleicht hängt diese Mentalität damit zusammen, dass sie praktisch im Kanu aufwuchs. Auch der ehemalige Bundestrainer Josef Capousek kam zu dem Schluss, dass derartige Leistungen nur durch eine besondere Verbindung zum Sportgerät möglich sind: „Birgit, das Paddel, das Boot und das Wasser sind eins.“

Und selbst heute kann sie die Finger nicht vom Paddel lassen. In ihrer Freizeit schippert sie im Kanu umher, selbst zur Londoner Qualifikation wollte sie mit 50 Jahren noch einmal ihr Boot zu Wasser tragen. Zwar musste sie sich 2012 einer Herzrhythmusstörung beugen und auf die Teilnahme verzichten, doch für 2016 scherzt sie bereits, vielleicht für eine andere Nation anzutreten.
Ob da also noch mehr Edelmetall auf das Konto der Brandenburgerin geht? Wir dürfen gespannt sein.

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