Ein Gesangsspektakel ohnegleichen: 16.000 Zuschauer in der eigens errichteten Konzerthalle in Baku und weitere 125 Millionen Zuschauer vor den Fernsehapparaten und Großbildleinwänden rund um den Globus. Der Eurovision Song Contest (ESC) ist eine Unterhaltungsshow der Superlative.

Eingeführt wurde derGrand Prix Eurovision de la Chanson, bei dem es sich eigentlich um einen Komponistenwettbewerb handelt, 1956 – allerdings nicht, um die Idee des vereinten Europa zu befördern. Wie Karen Fricker vom Eurovision Research Network erläutert, diente die Veranstaltung ursprünglich dazu, „die neueste Übertragungstechnik zu testen. Dafür brauchte die Europäische Rundfunkunion Programminhalte und man dachte sich: ,Lass uns einen Liederwettbewerb erfinden.ʻ“ So entstand eine Institution im europäischen Fernsehen von Lissabon bis Wladiwostok. Zahllose Erfolgsgeschichten hat der ESC seither hervorgebracht, an erster Stelle natürlich ABBA. Die Redaktion von Selfmade-Erfolg haben diese fünf Geschichten besonders beeindruckt:

1. Domenico Modugno

Es sind nicht immer die Siegertitel, die beim Grand Prix zu großen Erfolgen wurden. 1958 trat Domenico Modugno mit einem von ihm und Franco Migliacci geschriebenen Titel für Italien an und belegte damit in den Niederlanden dritten Platz. In den Vereinigten Staaten hingegen erreichte das Lied Platz 1 der Charts und gewann zwei Grammys. Der Name des Songs, den weltweit heute noch jeder mitsummen kann: „Volare“.

2. Dana Rosemary Scallon

Mit dem Lied „All Kinds of Everything” holte Dana Rosemary Scallon 1970 den ersten Sieg für Irland beim Grand Prix. Noch eindrucksvoller als ihre Karriere als Sängerin war jedoch Scallons zweite – in der Politik. 1997 kandidierte die engagierte Katholikin um das Amt des Präsidenten, zog zwei Jahre später ins Europäische Parlament ein und wurde 2011 erneut für die Präsidentschaftswahlen nominiert.

3. Olivia Newton-John


Sie war einer der größten Stars der späten 1970er Jahre, verdankte ihren Ruhm ihrer Hauptrolle im Musikfilm Grease. Die hätte Olivia Newton-John aber vermutlich nie bekommen, wäre sie nicht vier Jahre zuvor für Großbritannien beim Grand Prix angetreten. Mit dem Lied Long Live Love” belegte sie 1974 zwar „nur” den vierten Platz. Der zuvor ausschließlich Folk singenden Interpretin gelang damit jedoch eine Art künstlerischer Neuanfang. Welthits wie „Magic“ und „Physical“ folgten.

4. Michael Flatley

1994 sollte Irland den ESC zum dritten Mal in Folge gewinnen. Den Siegertitel („Rock ‘n’ Roll Kids“) kennt heute kein Mensch mehr. Das eigentliche Highlight der Show war das Pausenprogramm: Choreograph Michael Flatley brachte die Tanzaufführung Riverdanceerstmals ins Fernsehen. Die sechseinhalb Minuten lange keltisch-irische Steppshow trat einen Trend los. Flatleys Produktion Lord Of The Dance avancierte zum Welterfolg. Auch in den 1990er Jahren prägte der ESC Trends.

5. Norwegen

Kein Land ging häufiger mit der enttäuschenden Endwertung „nul points“ nach Hause als Norwegen. Zehn Mal wurde das Königreich letzter, davon vier Mal ohne jeden Punktgewinn. Anders jedoch als Italien, das sich wegen notorischer Erfolglosigkeit jahrelang aus dem Wettbewerb zurückgezogen hatte, steckte Norwegen nie auf, sandte unverdrossen Beitrag um Beitrag zum Grand Prix und gewann ihn insgesamt drei Mal, zuletzt 2009 durch Aleksander Rybak.

Cord Krüger

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