Frühling lässt auf sich warten

Gewinner der Woche

Diese Woche wurden erneut alle Hoffnungen auf wärmere Temperaturen und mehr Sonnenschein unter einer Schneedecke begraben. Der Winter scheint noch nicht bereit zu sein, sich endgültig zurückzuziehen – und dass soll laut Meteorologen bis zum März andauern. Dafür versprechen jedoch die Langzeitprognosen der Wetterfrösche einen Ausgleich: April und Mai sollen überdurchschnittlich viel Sonnenschein und die ersten Frühsommertage bringen. Bis dahin gilt es aber weiter zu bibbern und sich an warme, sonnige Orte zu träumen – zum Beispiel nach Los Angeles.

Von Kabuls Straßen auf den roten Teppich


Für Fawad Mohammadi wird der Traum von der Stadt der Engel nun Wirklichkeit: Statt durch Kabuls Straßen, mit Stadtplänen in der Hand, wird der 14-Jährige am Sonntag über den roten Teppich der Oscar-Verleihung schreiten.  Denn Mohammadi ist, seit er vor zwei Jahren auf Regisseur Sam French traf, nicht mehr nur einer der vielen Straßenverkäufer auf Kabuls Touristenmeile der „Chicken Street“. Er ist auch das Gesicht der Hauptrolle im Streifen Buzkashi Boys, der für die Oscars in der Kategorie „bester Kurzfilm“ nominiert wurde.

Doch obgleich der 30-minütige Film, der von der Freundschaft zweier heimatloser Jungen und ihrem großen Traum vom Buzkashi – einem traditionell afghanischen Reitsport – handelt, den Oscar gewinnen wird. Für Mohammadi hat diese Erfahrung schon jetzt sein Leben verändert.

Er ist mittlerweile ein Star in seiner Heimat und verließ zum ersten Mal die gewohnte Umgebung von Kabul, um in L.A. mit Weltstars zu feiern. Möglich war dies durch eine von Regisseur French initiierte Crowdfunding-Aktion und durch die Spende der Fluggesellschaft – denn alleine, hätte der Straßenverkäufer die Reise nicht finanzieren können.

„Das ist eine Chance, die Allah mir gegeben hat. Ich bin wohl der größte Glückspilz unter den Kindern, die auf der Chicken Street arbeiten“, sagte Mohammadi im Interview. In Amerika wolle er dann vor allem Rambo und Angelina Jolie treffen sowie Disneyland besuchen. Am wichtigsten ist es ihm jedoch, eine Botschaft aus seiner Heimat zu vermitteln: „Afghanistan ist ein friedliches Land. Ein gutes Land. Der Film soll zeigen, dass Afghanistan nicht nur vom Krieg zerstört, sondern ein Land voller Geschichte und Kultur ist.“

Wir drücken dem Kurzfilm auf jeden Fall die Daumen und wünschen unserem Gewinner der Woche Mohammadi alles Gute für die Zukunft – vielleicht sehen wir ihn ja schon bald auf den großen Kinoleinwänden wieder?

Sozialkritik und Kunst – die großen Gewinner der Berlinale

Auch in Berlin drehte sich diese Woche alles um Kinoleinwände. Doch statt auf große Hollywoodstreifen mit atemberaubenden Special Effects, setzte man in diesem Jahr – zu Recht – ganz auf Realität, politische Relevanz und vor allem auf authentische Ästhetik.

So ging der goldene Bär für den besten Film an Child´s Pose von Regisseur Calin Peter Netzer – dass von einer übereifrigen, neureichen Mutter erzählt, die Ihren Sohn vor einer Gefängnisstrafe bewahren möchte. Daneben wirft das Drama ein düsteres und bewegendes Licht auf die sozialen Spannungen zwischen Arm und Reich in Rumänien.

Und auch der Große Preis der Jury ging an einen Film aus Osteuropa: Der bosnische Streifen An Episode In The Life Of An Iron Picker von Danis Tanovic entstand zwar nur mit einem Mini-Budget in Höhe von 17.000 Euro. Bewies damit jedoch eindrucksvoll, dass nicht alles was große Wirkung erzielt und Erfolg hat, viel Geld kosten muss.

Eine noch größere Wirkung erzielte der Film des iranischen Regisseurs Jafar Panahi. Das surrealistische Selbstporträt Pardé, wurde nicht nur zu Recht mit dem silbernen Bären für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Es war auch ein unglaublich mutiges Statement. Denn Panahi ist eigentlich mit einem 20-jährigen Berufsverbot im Iran belegt, drehte den Film heimlich und „schmuggelte“ ihn zur Berlinale.

Dieser Mut, unter den widrigsten Umständen und trotz drohender Konsequenzen für sein Recht zu kämpfen, ist definitiv ein großer Gewinn für die Meinungs- und Medienfreiheit!

Viel Zuspruch nach Coming out

Auch der nächste Gewinner der Woche bewies Mut und sprach die Wahrheit aus. Zwar beendete der US-Profifußballer Robbie Rogers offiziell seine Karriere – zum Verlierer macht ihn das aber keineswegs. Denn Rogers erklärte ebenfalls, wie glücklich ihn dieser Schritt mache.

Unter dem Titel „Das nächste Kapitel“ (Original: „The Next Chapter…“) schrieb er auf seiner Homepage: „Es ist Zeit, mein Ich außerhalb des Fußballs zu entdecken. Es ist ein Uhr am Morgen in London, wenn ich dies schreibe, und ich könnte kaum glücklicher mit meiner Entscheidung sein.“

Glücklich war er vor allem auch, weil er sich in dem gleichen Text als homosexuell outete – etwas, das im Profifußball noch immer als heikles Thema gilt. Das spiegelten auch Rogers Worte über die Angst, sich während der aktiven Sportzeit zu outen, wider.

Trotzdem bekam der 25-Jährige viel Zuspruch für diesen Schritt und die Fußballwelt bekundete den Respekt, den Rogers verdiente. So schrieb unter anderem US-Torwart Kasey Keller via Twitter: „Der Mut von Robbie Rogers ist lobenswert. Ich hoffe, er weiß, dass er nicht zurücktreten muss. Er bekommt mehr Unterstützung, als er denkt“, und auch FIFA-Chef Sepp Blatter würdigte die Wahrheit mit dem Tweet: „Das ist 2013. Danke. Mutigen Männern wie Ihnen ist es zu verdanken, dass solche Bekanntmachungen eines Tages nicht mehr notwendig sind.“

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