Was bedeutet eigentlich Erfolg? Kann man ihn allgemein definieren oder ist er für jeden anders? Vielleicht hilft es, die Begriffe Erfolg und Ziel zu trennen. Denn Ziele sind höchst individuell: Die 100 Meter in unter 13 Sekunden zu laufen, ist für einen Hobbysprinter ein Grund zur Freude – für Weltrekordhalter Usain Bolt eher nicht. Eine Jahresbestleistung dürfte sich hingegen für den Freizeitläufer wie für den Olympiasieger ähnlich erfolgreich anfühlen.
Erfolg ist daher vielleicht weniger ein absolutes Ziel als ein Prozess; eine Mischung aus Wollen, Können und Werden; ein Projekt, an dessen Ende die Dinge besser aussehen als zu seinem Beginn – ob dieses Projekt nun eine Saison dauert oder ein ganzes Leben.
Mit dem Rilke-Zitat „Du musst dein Leben ändern“ hat Peter Sloterdijk vor drei Jahren eine Art philosophischen Ratgeber betitelt. Darin geht es darum, immer besser zu werden. Durch Übung. Den Antrieb dazu bezeichnete Sloterdijk als „Vertikalspannung“. Der Mensch will nach oben. Er will mehr erreichen und mehr aus sich machen. Zurück halten ihn nur Bequemlichkeit, Sorge und Verzagtheit. Erfolg wäre nach dieser Lesart das Aushalten besagter Vertikalspannung: Die ständige Selbstertüchtigung. Dass sie unbequem ist, liegt ihn ihrer Natur.

Die Währungen des Erfolgs kennen keine Wechselkurse

Die Unbequemlichkeit – schon der Lateiner wusste, dass der Weg zu den Sternen über raue Wege führt (per aspera ad astra) – hat noch ein zweites Gesicht. Erfolg kann nämlich auch bedeuten, selbst unbequem zu sein. Sven Gábor Jánszky hat ein Buch darüber geschrieben, wie Querdenker Unternehmen voran bringen, „Rulebreaker – Wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern“. Im Interview mit dem „Manager Magazin“ erzählt Jánszky, dass nur dauerhaft Erfolg haben kann, wer sich und seine Arbeit immer wieder hinterfragt:  „Wirkliche Innovation bedeutet die Störung funktionierender Geschäftsmodelle.“ Erfolg heißt also, mit positivem Ergebnis Regeln zu überprüfen oder zu brechen, auch wenn andere darüber den Kopf schütteln.
Hat Erfolg eine Währung? Jeder kennt noch den alten Werbespot über das Wiedersehen zweier alter Schulfreunde. Ihren Lebenserfolg demonstrieren sie einander, indem sie Fotos aus ihren Sakkos ziehen: „Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot!“ Materieller Erfolg lässt sich leicht messen. Aber Erfolg kann auch ganz anders aussehen. Wie wäre die Szene in dem Werbeclip verlaufen, hätte der Gegenüber nicht auch sein Haus, sein Auto und sein Boot vorgezeigt, sondern „Mein Ehrenamt! Meine Marathonurkunde! Meine überwundene Höhenangst!“? Beide hätten irritiert aus der Wäsche geguckt und nicht gewusst, wer denn nun der Erfolgreichere von ihnen ist.
Es gibt unzählige Felder, auf denen man Erfolg haben kann. Im Beruf, im Sport, im Umgang mit Menschen oder mit Schicksalsschlägen. Erfolg ist weder eine Auszeichnung durch andere, noch irgendeine Zahl auf einer Liste. Erfolg ist auch kein Punkt in einem Graphen. Erfolg ist die Steigung, auf der er liegt.

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