Foto: London 2012

 


Nach der ersten Woche Olympia 2012 zieht Selfmade-Erfolg Zwischenbilanz. Wer waren die großen Gewinner in London?

Triumphzug über 100 Meter

Dass der schnellste Mann der Welt allen Konkurrenten davonlaufen würde, war nicht wirklich überraschend. Die Umstände allerdings machten Usain Bolts Sieg im Sprint über 100 Meter zu einem wahrhaft spektakulären Triumph: Der Jamaikaner ließ seinen Landsmann Yohan Blake, gegen den er zuvor mehrmals das Nachsehen gehabt hatte, hinter sich; mit 9,63 Sekunden lief Bolt neuen olympischen Rekord im insgesamt schnellsten 100-Meter-Rennen aller Zeiten; und die Goldmedaille in dieser Disziplin hatte zuletzt 1988 Carl Lewis verteidigen können. Der 25-jährige Bolt ist zu Recht der wohl derzeit meistumjubelte Leichtathlet der Welt.

Die Revanche des „ewigen Verlierers“

Einen Weltstar hat die Tenniswelt auch zu bieten, jedoch musste sich Goldfavorit Roger Federer im Finale überraschend einem Lokalmatador geschlagen geben. Der Schotte Andy Murray (25) besiegte den siebenmaligen Wimbledon-Gewinner in einer überragenden Partie mit 6:2, 6:1 und 6:4. Für den als Pechvogel geltenden Murray war es eine gelungene Revanche für seine Grand-Slam-Niederlage gegen Federer 28 Tage zuvor. Die Olympischen Spiele haben damit eine neue Sensation und Großbritannien einen neuen Helden. Zuletzt hatte 1936 mit Fred Perry ein Tennisspieler des Vereinigten Königreichs in dieser Disziplin Gold geholt.

Erste Medaille seit 76 Jahren

Genauso lange wie die Briten im Olympia-Tennis mussten die deutschen Turner auf einen Erfolg im Mehrkampf warten. Nach 76 Jahren beendete Marcel Nguyen die Durststrecke und gewann mit Silber die erste Medaille in dieser Disziplin seit den Sommerspielen von Berlin. Der 24-Jährige war in der zweiten Gruppe der nicht so hoch gehandelten Turner gestartet und kämpfte sich mit eindrucksvollen Leistungen am Pferd sowie am Barren auf den zweiten Platz.

Haarscharf an einer Fehlentscheidung vorbei

Ebenfalls einen zweiten Platz durfte die deutsche Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf bejubeln – allerdings erst nach einem Schreckmoment. Die Kampfrichter disqualifizierten sie nach dem abschließenden 800-Meter-Lauf, weil sie angeblich ihre Bahn verlassen hätte. Erst eine für die 28-Jährige endlos wirkende Weile später revidierte die Jury ihr Urteil. Man hatte Schwarzkopf mit der Russin Kristina Sawizkaja verwechselt. „Das war der Siebenkampf meines Lebens“, sagt sie später überglücklich.

„Der beste Achter aller Zeiten“

Den Wettkampf ihres Lebens erlebten auch die Ruderer des Deutschland-Achters. Nach dem WM-Triple 2009, 2010 und 2011 konnte das Flaggschiff auf dem Dorney Lake zunächst nicht in Führung gehen. Bei manchen Zuschauern dürften da bereits Erinnerungen an die Niederlage bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren wach geworden sein. Auf den letzten 500 Metern jedoch gaben Filip Adamski, Eric Johannesen,  Andreas Kuffner, Florian Mennigen, Lukas Müller, Maximilian Reinelt, Wilke Sauer, Richard Schmidt, und Steuermann Martin Sauer alles. Ihr Lohn war das erste Gold in der wichtigsten Ruderdisziplin seit 1988. Experte Roland Baar war danach voll des Lobes: „Das ist der beste Achter aller Zeiten.“
Mit diesen Erfolgen der Woche wird die gesamte deutsche Olympiamannschaft zufrieden sein – satt jedoch noch lange nicht.

Cord Krüger

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