Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine neigt sich ihrem Ende. Zeit für ein Fazit. Erfolgreich waren im Turnier diejenigen Mannschaften und Spieler, die drei Eigenschaften mitbrachten. Alle werden im Finale zwischen Italien und Spanien wichtig sein – eine könnte es entscheiden.

Mut

Englands neuer Trainer Roy Hodgson ließ die Three Lions defensiv antreten und schaffte es damit immerhin bis unter die letzten acht. Italien sagte dem Catenaccio „Arrivederci!“ und beeindruckte damit Spanien in der Vorrunde sowie Deutschland im Halbfinale. Slaven Bilic wiederum stellte seine Kroaten nahezu perfekt auf die wieselflinken Iberer ein und dachte gar nicht daran, sich vor dem amtierenden Welt- und Europameister zu verstecken.

Jogi Löw wechselte gegen Griechenland alle bisherigen Torschützen aus und bot eine völlig neue Angriffsformation auf sowie den Mittelfeldmann Lars Bender als Außenverteidiger. Und Spanien? Dessen Übungsleiter Vincente Del Bosque machte aus dem Ausfall seines besten Angreifers (David Villa) und der Formschwäche seines zweitbesten (Fernando Torres) eine Tugend und verzichtete in seiner Formation einfach ganz auf einen gelernten Stürmer. Die EM 2012 war reich an mutigen Entscheidungen. Die meisten wurden belohnt.

Genie & Wahnsinn

Die großen Namen werden vor einem Turnier immer als mögliche Helden auserkoren. Doch Stars wie Zlatan Ibrahimovic (Schweden), Wayne Rooney (England) oder Christiano Ronaldo (Portugal) blieben 2012 blass oder fanden zu spät zu alter Stärke. Viel eindrucksvoller waren hingegen die Auftritte einiger als schwierig, ja geradezu unkontrollierbar, geltender Spieler: Italiens Enfant terrible Mario Balotelli schoss im Halbfinale Deutschland aus dem Turnier und wurde zum „Man of the Match“ gekürt. Mario Mandzukic wiederum brillierte im Trikot der kroatischen Nationalauswahl, obwohl Trainer Magath seine liebe Müh mit dem Temperament seines Angreifers beim VFL Wolfsburg hatte. Den Münchner Bayern waren von Mandzukic derart beeindruckt, dass sie ihn kurzerhand verpflichteten.

Teamgeist

Auch wenn Einzelkönner wie Mario Gomez oder Alan Dsagojew (Russland) entscheidende Tore schossen, war die EM in Polen und der Ukraine ein Turnier der großen Mannschaftsleistungen. Mehr noch als von Andrea Pirlos genialen Steilpässen profitierte Italien von seiner famosen Zusammenarbeit. Die Portugiesen rückten noch enger zusammen, als Christiano Ronaldo in den ersten Vorrundenspielen schwächelte. Bei den Deutschen meuterten keine Spieler, obwohl Jogi Löw in der Offensive munter rotieren ließ. Und bei den Spaniern ist es ohnehin praktisch egal wer aufläuft. Die Tiki-taka-Ballkünstler verstehen sich blind.

Erfolglos blieben demgegenüber Teams ohne funktionierendes Mannschaftsgefüge, mochten sie noch so viele Weltklassespieler in ihren Reihen haben. Die Niederlande und Frankreich konnten das Potenzial ihrer Einzelkönner jedenfalls nie ausschöpfen.

Und wer wird am Sonntag gewinnen? Natürlich die Elf, die der anderen in Sachen Mut, Genialität und Teamgeist überlegen ist. Da sind sich Italien und Spanien praktisch ebenbürtig. Einen winzigen Unterschied gibt es dann aber doch: Eine unberechenbare Größe wie Balotelli haben die Iberer nicht in ihren Reihen. Und die könnte spielentscheidend sein.

Cord Krüger

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