Mit der Entstehung des automobilen Straßenverkehrs sind heute vor allem zwei Namen verknüpft: Carl Benz und Henry Ford. Während ersterer das erste Auto konstruierte, verhalf der zweite der Massenproduktion zum Durchbruch. Doch diese Geschichte erzählt nur die Hälfte der Wahrheit. Denn Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren waren vor hundert Jahren nicht so dominant, wie man allgemein denkt. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert galt damals ausgerechnet ein Fortbewegungsmittel als Technologie der Wahl, von dem man heute annimmt, dass ihm das 21. Jahrhundert gehören wird: dem Elektroauto.

Am 4. März 1899 ging der Belgier Camillie Jenatzy als schnellster Automobilist in die Geschichtsbücher ein, als er seinen Elektro-Einsitzer auf atemberaubende 105 Kilometer pro Stunde beschleunigte. In den Vereinigten Staaten waren im Jahr 1900 mit 34.000 mehr elektrisch betriebene Fahrzeuge unterwegs als Autos mit Verbrennungsmotor. Auf der Weltausstellung in Paris wurden sie bejubelt. Den E-Mobilen schien die Zukunft zu gehören.

Doch wer hat sie eigentlich erfunden? Wer baute das erste richtige Elektroauto der Welt?

Der „Flocken Elektrowagen“

Das Prinzip des Elektromotors wurde bereits 1821 von Michael Faraday entwickelt. In den Jahren danach wurde an zahlreichen Varianten davon geforscht sowie an der zweiten Schlüsseltechnologie für den Betrieb von Elektroautos, dem Akku.

1881, vier Jahre bevor Carl Benz mit seinem benzinbetriebenen „Patent-Motorwagen Nummer 1“ für Furore sorgte, zuckelte Gustave Trouvé mit einem Elektrodreirad durch Paris. Das ähnliche Fahrzeug der beiden Engländer William Edward Ayrton und John Perry befuhr im Jahr darauf die Queen Victoria Street und verfügte bereits über eine Reichweite von 40 Kilometern.

Den ersten vierrädrigen Elektro-PKW der Welt baute jedoch ein Deutscher. Der Coburger Unternehmer und Erfinder Andreas Flocken (1845-1913) konstruierte 1888 den „Flocken Elektrowagen“ und baute ihn in seiner Maschinenfabrik. Den Strom für die Akkus gewann er aus Wasserkraft. Das Patent für die von ihm erfundene Spurstange zum Steuern des Gefährts soll Flocken später in die USA verkauft haben – an Henry Ford. In Serienproduktion ging sein Elektrowagen nie, doch die Idee schlug Wellen.

Porsche baut den ersten Hybrid der Welt

Ferdinand Porsche erkannte die Möglichkeiten des Elektroautos. Es war leiser, laufruhiger und komfortabler als benzinbetriebene Fahrzeuge, für die man den benötigten Treibstoff zudem nur in der Apotheke kaufen konnte. Außerdem mussten Elektro- anders als Verbrennungsmotoren nicht mit einer Handkurbel gestartet werden. Gemeinsam mit dem Österreicher Ludwig Lohner präsentierte der Automobilpionier 1899 den Lohner-Porsche. Hier versorgte ein Ottomotor einen Elektromotor als Generator. Der „Lohner-Porsche“ war damit der erste Hybrid der Welt und das erste Auto mit Allradantrieb.

Bis 1912 wuchs der Markt für Elektroautos darum stetig. Auf seinem Höhepunkt wurden allein in den USA von 20 Herstellern mehr als 33.000 Stück konstruiert. Dann folgte das jähe Ende des E-Mobil-Booms durch eine unscheinbare Erfindung. Der Amerikaner Charles Kettering entwickelte 1911 den elektrischen Anlasser und verhalf damit den Verbrennungsmotoren zum entscheidenden Vorteil gegenüber ihren elektrisch betriebenen Vettern. An den Vor- und Nachteilen der beiden Automobiltechnologien hat sich seither nichts geändert. Doch vielleicht liegt auch der Durchbruch des Elektroautos nur eine kleine Erfolgsidee entfernt.

Cord Krüger

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  1. Franz Haag

    Prima Bericht!
    Weitere Infos auf meiner Website.

    MfG
    Haag

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