„Ich gebe jetzt den Startschuss für das deutsche Farbfernsehen.“ Als Bundeskanzler Willy Brandt 1967 live im Fernsehen auf einen roten Knopf drückte, beendete er symbolisch die Ära des Schwarzweißfernsehens. Was eine kleine Revolution für Fernsehdeutschland bedeutete, war im Weltmaßstab betrachtet nicht gerade eine Sensation, denn in Farbe sah man in den USA bereits seit 1953. Die Technologie als solche war sogar noch älter. Doch wer hat das Farbfernsehen eigentlich erfunden?

testbild - röhrenbildschirmDie wohl wichtigste Erfindung, die schließlich in die erfolgreiche Übermittlung von Bildsignalen mündete, gelang 1883 dem Deutschen Paul Nipkow. Mitthilfe einer nach ihm benannten rotierenden Scheibe konnte er Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegen und zusammensetzen. Fernsehen war damit zwar prinzipiell möglich. Ohne einen geeigneten Verstärker ließ sich das Bild allerdings noch nicht über nennenswerte Distanzen hinweg senden.

Mit der Nipkow-Scheibe experimentierte schließlich der schottischer Erfinder John Logie Baird (1888-1946). Seinen Job in einem Elektrizitätswerk hatte er aufgegeben, um sich als Selbstständiger voll auf die Entwicklung eigener Ideen konzentrieren zu können. Ihm gelang 1925 als erstem eine kontinuierliche Bildübertragung. Im folgenden Januar führte er seine Erfindung offiziell vor und konnte danach genug Kapital für die Gründung seiner Baird Television Development Company zusammen bringen. 1928 sendete Baird ein Fernsehbild öffentlichkeitswirksam von London bis nach New York.

Farbfernsehen für die Raumfahrt

Den Höhepunkt seines mechanischen Fernsehens erreichte er ein Jahr später. Mittels vor Kamera und Empfänger synchron rotierender Farbfilter glückte Baird die erste Farbfilmübertragung. Das vollelektronische Fernsehen, das mit Ferdinand Brauns Kathodenstrahlröhren arbeitete, steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen. In Großbritannien löste es Bairds Technik erst 1937 endgültig ab.


Durch den Zweiten Weltkrieg erhielt die europäische Fernsehentwicklung einen empfindlichen Dämpfer. Das erste Farbfernsehgerät erfand 1940 ein mexikanischer Rundfunkingenieur namens Guillermo González Camarena (1917-1965). Gerade einmal ein Jahr nach seinem Universitätsabschluss reichte er ein Patent für einen Adapter ein, mit dem sich die Schwarzweiß- zur Farbfernsehübertragungstechnik umrüsten ließ. Auch in den USA ließ Camarena seine Erfindung schützen. Hier stieß sie auf großes Interesse. 1943 begann CBS erste Programme in Farbe auszustrahlen.

Camarena half derweil mit beim Aufbau des mexikanischen Rundfunks. Der Sender XHGC-TV sendete in Mexico City am 8. Februar 1963 zu ersten Mal in Farbe – vier Jahre vor Willy Brandts „Startschuss“. 1965 kam Camarena bei einem Verkehrsunfall ums Leben, doch selbst danach schrieb er noch Geschichte: Seine Erfindung kam zwölf Jahre später  in der Raumsonde Voyager 1 zum Einsatz.

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