Das Fließband gilt heute als Symbol für den industriellen Fortschritt durch Arbeitsteilung, Ablaufoptimierung und Beschleunigung. Damit verbunden wird vor allem ein Name: Henry Ford (1863-1947). Der Unternehmer aus Detroit verhalf dem Auto so zum endgültigen Durchbruch. Dabei war er nicht der erste, der Fließbänder einsetzte. Erfahren Sie heute, wem wir diese Erfolgsidee zu verdanken haben und worin Henry Fords Genie bestand.

Fliessband Autoproduktion/ CaravansFließbandfertigung bedeutet, dass ein Produkt seine verschiedenen Fertigungsschritte auf einem Fördersystem durchläuft. Jeder Arbeiter führt an seiner Station nur einfache, standardisierte Handgriffe aus, bei denen er sich und das Produkt möglichst wenig bewegen soll. Der ganze Prozess wird dabei genau getaktet, so dass der Ablauf gleichmäßig erfolgt.

Teile dieses Prinzips wurden bereits deutlich vor der Erfindung des Automobils zeitlich und örtlich unabhängig voneinander erfunden und eingesetzt. Beispielsweise entstand die berühmte vieltausendköpfige Terrakottaarmee des chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi im dritten Jahrhundert vor Christus in standardisierter Arbeitsteilung. Das venezianische Arsenal wiederum war im 16. Jahrhundert derart effizient organisiert, dass dort 16.000 Werftarbeiter binnen zwei Wochen 100 Schiffe zusammensetzen konnten.

Ohne Fließband keine modernen Schlachthöfe

1785 ließ Honoré Blanc (1736-1801) für Ludwig XV. Musketen in Massenproduktion herstellen. Das bedeutete, dass die einzelnen Bauteile absolut identisch und austauschbar waren. 1790 konstruierte der amerikanische Erfinder Oliver Evans (1755-1819) die erste automatisierte Getreidemühle. Diese funktionierte mit Dampfkraft und Förderbändern und war auf einen kontinuierlichen Betrieb ausgelegt.


Evans Landsmann Eli Whitney (1765-1925) brachte dann beides zusammen. Obwohl er nie zuvor ein Gewehr hatte produzieren lassen, gewann er 1798 mit seinem Konzept den Auftrag der amerikanischen Regierung über die Lieferung von 10.000 Musketen. Er setzte als erster das Fließband zur Massenfertigung ein.

Das Fließband breitete sich langsam aus: In England zur Herstellung von Zwieback und Teilen für Seilwinden, in Cincinnati zur Verbesserung der Fleischproduktion in Schlachthöfen. In den Chicagoer Union Stock Yards, dem Zentrum der amerikanischen Fleischverarbeitungsindustrie, wurde das Fließband schließlich im 19. Jahrhundert perfektioniert.

Henry Fords geniale Idee bestand darin, die Fließbandproduktion auf den Automobilbau zu übertragen. Autos wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Manufakturen hergestellt, waren teuer und aufwendig. Durch die Fließbandproduktion wurde mit einem Schlag aus dem Luxus- ein Konsumgut. Der Verkaufspreis von Fords berühmtem Modell T sank 1914 schlagartig um mehr als die Hälfte – von 850 US-Dollar auf 370.

Damit demonstrierte Ford eindrucksvoll, dass eine revolutionäre Geschäftsidee nicht nur in einem neuartigen Produkt bestehen kann, sondern einem radikal anderen Produktions- oder Vertriebsmodell.

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *