Die Größe einer Erfindung erkennt man manchmal erst daran, wenn man sie ihrem winzigen Nachfahren gegenüberstellt. Ein heutiges Smartphone Smartphone wiegt gerade einmal so viel wie eine Tafel Schokolade, passt in jede Handfläche und kann mehr, als man auf einer DIN-A4-Seite festhalten könnte.

Konrad Zuses Nachbau der Z1. Foto: Deutsches Technikmuseum/Frank-Michael Arndt

Der Urahn eines solchen Taschencomputers benötigte die Stellfläche eines Wohnzimmers, wog so viel wie ein Kleinwagen und beherrschte die vier Grundrechenarten in der Geschwindigkeit eines mäßig begabten Sextaners. Von der Anwendungsbreite eines Smartphones konnte beim ersten digitale Computer der Welt natürlich keine Rede sein – dafür hätte es einen ganzen Stab an Hilfsarbeitern benötigt: einen, der eine Karte liest, einen der die Post öffnet, einen der den Terminkalender führt und so weiter.

Und doch ist jedes Lumia, Galaxy oder iPhone ein Nachfahre dieses ersten Computers. Seine ersten Rechenoperationen führte er nicht in irgendeinem streng geheimen Forschungslabor oder auf dem Campus einer Universität aus, sondern in einem Wohnzimmer in Berlin im Jahr 1937. Sein Erfinder war Konrad Zuse.

Finanziert aus privaten Mitteln


Zuse (1910-1995) war eher ein technikbegeisterter Tüftler als ein visionärer Forscher. Bereits als Zehnjähriger bastelte er einen Lichtschalter aus Blech und Nägeln. Später studierte er Maschinenbau, Architektur und schließlich Bauingenieurwesen. Nach seinem Abschluss ging er zu den Henschel Flugzeug-Werken, doch dort hielt es ihn nicht lange, denn Zuse hatte eine Idee. Er wollte eine Rechenmaschine bauen, weil ihn das Ausführen schematischer Operationen wie Addieren oder Subtrahieren langweilte. So gab er seinen Beruf auf und richtete im Wohnzimmer seiner Eltern eine Werkstatt ein.

Z1 im Wohnzimmer von Konrad Zuses Eltern. Foto: Deutsches Technikmuseum/Horst Zuse

Zwei Jahre dauerte es, dann war die Z1 einsatzbereit. Der erste frei programmierbare Computer der Welt war ein eine Tonne schweres Ungetüm aus mehr als 30.000 Einzelteilen, arbeitete von einem Staubsaugermotor angetrieben rein mechanisch und benötigt für eine Additionsaufgabe rund drei Sekunden. Wie heutige Computer rechnete die Z1 binär und besaß sogar einen Speicher. Zuse finanzierte seine Rechenmaschine ausschließlich privat.

Weil die Z1 dazu neigte, sich zu verhaken, entwickelte Zuse sie weiter und stellte 1941 die Z3 vor, den „ersten funktionsfähigen, frei programmierbaren, auf dem binären Zahlensystem und der binären Schaltungstechnik basierenden Rechner der Welt“. Die Z3 arbeitete zuverlässig, verfügte über eine Tastatur zur Befehlseingabe und einen 200 Byte großen Arbeitsspeicher. Zum Vergleich: heutige Büro-PCs sind üblicherweise mit mindestens vier Gigabyte ausgerüstet, also 4.000.000.000 Byte.

Computerpionier rekonstruiert seinen Prototyp

Konrad Zuse am Nachbau der Z1. Foto: Deutsches Technikmuseum/Horst Zuse

Zuses Z3 war nur eine kurze Karriere beschieden. Zweieinhalb Jahre nachdem der Erfinder sie verschiedenen Wissenschaftlern vorgeführt hatte, wurde die Rechenmaschine – und mit ihr die Z1 – bei einem Bombenangriff zerstört. Doch Zuse ließ sich nicht entmutigen und gründete nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 die erste deutsche Computerfirma, die Zuse KG.

Die Prototypen des Pioniers des digitalen Zeitalters mochten vernichtet worden sein, gänzlich verloren waren sie nicht. Die Z3 ließ Zuse 1961 zu Werbezwecken nachbauen, obgleich von ihr nur eine Zeichnung erhalten geblieben war. 1986 nahm der mittlerweile 76-jährige Zuse die Herausforderung an, seine erste Rechenmaschine zu rekonstruieren. 1989 war die neue alte Z1 fertig. Ihre Eck- und Leistungsdaten waren identisch mit dem Original, im Unterschied zum Vorkriegscomputer konnten beim Nachbau dieses Mal die Kosten beziffert werden – sie beliefen sich auf 800.000 DM.

Daran kann man sich ja mal erinnern, wenn man sich wieder über das Preis-Leistungsverhältnis aktueller PCs ärgert. Wie schon Country-Ikone Loretta Lynn sang: “We’ve come a long way, baby”.


Im Deutschen Technikmuseum in Berlin werden Nachbauten der Z1 und der Z3 erstmals gemeinsam ausgestellt – noch bis zum 18. November 2012.

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