Die Geschichte der Luftfahrt – meint man – ist ausschließlich von Europäern und Amerikanern geprägt worden. Den Heißluftballon erfanden die Franzosen Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier. Das erste Luftschiff konstruierte der Ungar David Schwarz. Und die Gebrüder Wright, die als erste mit einem Flugzeug flogen, kamen aus dem mittleren Westen der USA. Einige höchst interessante Pionierleistungen gehen jedoch auf das Konto eines heute fast vergessenen Brasilianers: Alberto Santos Dumont. Er erfand unter anderem den Flughafen.

1873 wurde er als Sohn eines Kaffeeplantagenbesitzers im Südosten Brasiliens geboren. Seine Familie war reich und Dumont zeigte bereits in jungen Jahren großes Interesse an technischen Erfindungen, las eifrig Jules Verne und brachte von einer Frankreichreise eines der ersten Autos mit, die auf brasilianischen Straßen fuhren.

Die Straßen von Paris als Flughafen

bench in the hall of moscowIn Paris studierte er später Mechanik und Naturwissenschaften und widmete sich danach dem Bau von Luftschiffen. Aus seinem zierlichen Körperbau (Dumont maß lediglich 1,60 Meter) machte der Erfinder eine Tugend und konstruierte ultraleichte Luftfahrzeuge. 1901 flog er als erster Mensch mit einem Luftschiff fünfeinhalb Kilometer durch Paris. Das Preisgeld für diese Pionierleistung spendete er Bedürftigen. Zwei Jahre später nutzte er seine „Santos Dumont Nr. 9“ wie andere Menschen eine Kutsche, landete auf der Straße, machte sein Luftschiff fest und ging in ein Café.

1904 wurde Alberto Santos Dumont in die Vereinigten Staaten eingeladen und traf dort mit Präsident Theodore Roosevelt zusammen. Ihm erläuterte er eine Idee: Ein Gelände, auf dem Luftschiffe starten und landen konnten. Das Gespräch zwischen Roosevelt und Dumont gilt als Geburtsstunde des Flughafens.


Dumont wandte sich in den folgenden Jahren dem Flugzeugbau zu. Mit seiner „14-bis“ führte er den ersten öffentlichen Flug mit einem motorbetriebenen Flugzeug durch. 1909 hob er mit der von ihm konstruierten „Demoiselle“, dem ersten in Kleinserie gebauten Sportflugzeug der Welt, ab.

Der erste Fliegeruhr der Welt

Zwei weitere bemerkenswerte Pionierleistungen gehen auf das Konto des Brasilianers. So verwendete er als Erster Sicherheitsgurte in seinen Luftschiffen. Und 1904 bat er seinen Freund, den Uhrmacher Louis-François, ihm eine Uhr zu bauen, die er beim Fliegen bequem ablesen konnte. Damals gab es nur unpraktische Taschenuhren und zierliche Damenarmbanduhren. Cartier half Dumont und entwarf für ihn 1906 mit der Cartier Modell Santos die erste Fliegeruhr.

Seine Idee eines Flughafens setzte der Brasilianer hingegen nie in die Tat um. Es waren die Gebrüder Wright, die 1909 den College Park Airport in Maryland aufbauten. Er ist noch heute in Betrieb. 1920 öffnete mit dem Croydon Airport südlich von London der erste Flughafen mit regelmäßigen internationalen Zivilflügen seine Pforten.

In seiner Heimat Brasilien gilt Alberto Santos Dumont (1873-1932) als Nationalheld. 2006, im Jubiläumsjahr seines Pionierfluges, entsandte Brasilien seinen ersten Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS.

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