Der Zugang zu Computertechnologie gehört zu den größten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts.  IBM-Chef Thomas Watson lag 1943 mit seiner Prognose, es gäbe Weltweit einen Markt „für vielleicht fünf Computer“ jedenfalls gründlich daneben. Dass sich PCs rasend schnell um den Globus ausbreiteten, liegt auch an der Verbreitung einer besonders mobilen Variante, die zugleich einen Vorgeschmack darauf gab, wie selbstverständlich wir heute Tablets und Smartphones überall und zu jederzeit benutzen. Gemeint ist: der Laptop.

Multitasking  businessman at workWährend Computer mehrere Jahrzehnte benötigten, bis sie vom hausgroßen Rechenzentrum auf ein schreibtischverträgliches Maß geschrumpft waren, folgte der Laptop dem Personal Computer fast schon auf dem Fuße. Die Idee dazu hatte einer der wichtigsten Vordenker der IT-Geschichte: Alan Kay (*1940). Dem Informatiker schwebte ein preisgünstiger Computer vor, den Kinder aller Altersklassen bedienen konnten. Kay verband dazu in einem flachen Gerät eine grafische Benutzeroberfläche (GUI) mit einer Tastatur. Das von ihm skizzierte Dynabook entsprach damit im Wesentlichen einem heutigen Tablet-PC.

Vom Koffer-Computer zum Laptop

Ab 1970 arbeitete Kay im vom Elektronikkonzern Xerox finanzierten Palo Alto Reserch Center (PARC). Hier stellte er 1972 sein Dynabook-Konzept vor, dessen praktische Umsetzung erwies sich allerdings seinerzeit noch als zu ambitioniert. Der bei PARC im Jahr darauf entwickelte Xerox-Alto-Computer besaß zwar wie das Dynabook Tastatur und GUI – allerdings auch die Ausmaße eines Kühlschranks. Auf den Markt gebracht wurde er nie.

Kays Idee eines einfach zu bedienenden, mobilen PCs beschäftigte Forscher und Ingenieure jedoch weiter. Je kleiner die Bürocomputer wurden, desto näher rückte das Ziel eines mit dem Dynabook vergleichbaren Geräts. Wichtige Meilensteine waren All-In-One-Computer wie der IBM 5100 (1975, 24 kg, >39.000 Dollar), die revolutionären Osborne 1 (1981, 11 kg, 4600 Dollar) und GRiD Compass 1100 (1982, 5 kg, 19.000 Dollar) sowie der minimalistische Epson HX-20 (1983, 1,6 kg, 1800 Dollar).


Der GRiD Compass war sogar schon mit einem klappbaren Bildschirm ausgerüstet. Spätestens mit dem IBM PC Convertible (1986, 5,8 kg, 4200 Dollar) avancierte der Klappmechanimus zum Standard. Mit dem sinkenden Gewicht der Computer wandelte sich auch ihr Kosename vom Luggage-Computer (dt.: Koffer-Computer) zum Laptop (von lap, dt.: Schoß).

Die Vision vom Laptop für 100 Dollar

Die wahrscheinlich wichtigste Designinnovation kam 1991 mit Apples PowerBook 100 (2,5 kg, 4200 Dollar). Erstmals bildeten Bildschirm und Tastatur zwei gleichgroße Flächen. Im Englischen bürgerte sich dafür der Name Clambshell (Muschel) ein. Die Clambshell-Form ist für Note- und Netbooks heute selbstverständlich. Das Mobile PC Magazine wählte 2005 darum das PowerBook 100 zum „#1 gadget of all time“.

Auch wenn PCs und Laptops immer günstiger geworden sind und die Industrienationen längst erobert haben, sieht Alan Kay seine Vision eines tragbaren Computers für alle noch immer nicht verwirklicht. Seit 2005 berät er das Projekt One Laptop per Child, das alle Kinder mit 100-Dollar-Notebooks ausstatten will. Ein Visionär ist eben nie am Ziel.

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