Aus den unwirtlichen Weiten Alaskas sind sie genau so wenig wegzudenken wie aus Wintersportgebieten in Skandinavien oder den Alpen. Manche benutzen sie um Spaß zu haben, andere, weil sie damit sicher zur Arbeit gelangen: Motorschlitten. Aber wer hat sie eigentlich erfunden?

Die Geschichte des Motorschlittens beginnt tatsächlich in der tiefverschneiten Einöde Kanadas. Im Ort Valcourt wurde 1907 Joseph-Armand Bombardier geboren. Obwohl er außer einigen Fernkursen nie eine Ausbildung als Techniker oder Ingenieur absolvierte, vollbrachte er auf diesen Gebieten dennoch erstaunliches und legte damit sogar den Grundstein zu einem Weltkonzern. Wie viele Gebiete in der kanadischen Provinz, litt auch Valcourt unter heftigen Schneefällen. Bombardier wollte ein Fahrzeug entwickeln, mit dem man sich auf Schnee bewegen konnte, wo Räder nicht mehr weiterkamen. Der Winter sollte Menschen nicht länger in ihrer Mobilität einschränken.

Mit gerade einmal 15 Jahren hatte er eine geniale Idee: Er kombinierte vier Schlitten mit einem Propellerantrieb und gab dem Gefährt den Namen Ski-Dog, denn es sollte die Hundeschlitten ersetzen und ein bis zwei Menschen befördern können. Zumindest auf dem Papier war Bombardiers Erfindung vielversprechend. Sein Bau hingegen schwierig. 1926 eröffnete er eine Autowerkstatt und tüftelte in seiner Freizeit an seinem Ski-Dog und Halbkettenfahrzeugen.

Weltmarke dank Tippfehler

Als 1934 sein zweijähriger Sohn erkrankte, gelang es Bombardier und seiner Frau nicht, ihn rechtzeitig ins Krankenhaus zu bringen. Der Junge starb. Nach dieser Tragödie bemühte sich Bombabier noch mehr, ein serienreifes Schneemobil zu bauen. Niemand sollte mehr ein Kind verlieren, weil er nicht durch den Schnee kam. 1936 versah er ein Auto mit Ketten an den hinteren Antriebsrädern und tauschte die Vorderachse gegen Kufen aus. Bereits im Jahr darauf verkaufte er 12 Stück seines B7 getauften Modells. 1942 gründete er Bombardier Recreational Products (BRP).


Die großen Schneemobile wie die B7 boten mehreren Personen Platz. Kleiner und leichter wurden sie erst mit modernerer Antriebstechnik. 1958 gelang es Bombardier endlich, seinen Traum vom Ski-Dog auf Ketten und Kufen zu setzen. Mit dem Namen war er nicht mehr richtig glücklich, strahlte ihm dieser doch mittlerweile nicht mehr genug Fortschrittlichkeit aus.

Durch einen Schreibfehler wurde aus Ski-Dog dann Ski-Doo. Dabei gehen die Meinungen auseinander, ob dieser Lapsus beim Bemalen des Prototypen passierte, beim Verfassen einer Produktbroschüre oder beim Patentamt. Bombardier soll jedenfalls nicht ärgerlich gewesen sein, sondern begeistert. So kam der Zweipersonen-Motorschlitten zu seinem Namen. Bis heute heißen die BRP-Schlitten Ski-Doo.

Nur wenige Jahre nach dem Verkaufsstart seines kleinen Motorschlittens starb Bombardier an Krebs. Sein Unternehmen jedoch stieg unter der Führung seines Schwiegersohns, Laurent Beaudoin, zu einem der weltweit größten Verkehrstechnikkonzerne der Welt auf. 70.000 Mitarbeiter konstruieren heute Flugzeuge und Züge. Ein Stück von der Vision des jungen Bombardiers steckt auch in ihnen: Denn wie Schneemobile funktionieren auch Eisenbahn und Flugzeuge im Winter meist besser als Autos.

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