Man benutzt sie ständig. Selbst Sprachästheten und passionierte Thomas-Mann-Leser kommen beim Simsen und Chatten nicht ohne sie aus: Emoticons. Wenn Zeit und Platz knapp sind, tippt man :-) für ein „Lachen“ und :-O für „Überraschung“ in sein Smartphone. Doch wo kommen die Emoticons eigentlich her? Und wer hat sie erfunden?

Die Idee, typografische Zeichen nicht nur zu Worten zu arrangieren, sondern auch zu Symbolen, ist viel älter als jedes Smartphone. Der tatsächliche Erstgebrauch ist aber nicht einfach zu belegen: So heißt es im Transkript einer Rede von US-Präsident Abraham Lincoln von 1862 es an einer Stelle „(applause and laughter ;)“. Ob es sich bei „;)“ hier bereits um ein Emoticon oder doch eher um einen Tippfehler handelt, ist umstritten.

Unzweifelhaft belegt ist der Beitrag des amerikanischen Satiremagazin Puck in der Entwicklung mehrdeutiger Zeichenfolgen. Am 30. April 1881 veröffentlichte die Zeitschrift eine Reihe vertikaler Emoticons, die Lachen oder Traurigkeit symbolisierten. Mit „\__/“ drückte Autor Ambrose Bierce 1912 ein Lachen aus.

Auch in Deutschland schufen kreative Köpfe mit den Mitteln der Schreibmaschine Sinnzusammenhänge jenseits des Dudens: Avantgarde-Schriftsteller Arno Schmidt benutzte in den 1950er Jahren den Doppelpunkt „ : “, wenn eine seiner Figuren etwas anschaute, und baute einen typografischen „Weidezaun“ („xxxxxxxxxxx“) über einen Textabschnitt, der auf einer Koppel spielte.

Ein Informatiker hat die zündende Idee


Die heute gebräuchlichen Emoticons wie ;-) unterscheiden sich von jenen aus dem Puck-Magazin in ihrer Ausrichtung. Sie liegen auf der Seite. Und diese Innovation, die in fast jeder SMS-Konversation benutzt wird, lässt sich sogar auf die Minute genau datieren.

Scott E. Fahlmann arbeitete 1982 als Informatiker an der Carnegie Mellon University in Pennsylvania. In einem der dort gebräuchlichen Bulletin-Boards, Vorläufern heutiger Chats, tobte eine Diskussion, wie man Ironie in der schriftlichen Kommunikation kennzeichnen könne – mit einem * im Betreff oder einem %? Die Lösung, die heute jeder kennt, jedoch niemand mit seinem Namen verbindet, warf Fahlmann am 19. September 1982 um 11:44 Uhr ein. Er schrieb:


Ich schlage folgende Zeichenfolge als Witz-Markierung vor:

:-)

Lest es seitlich. Eigentlich wäre es angesichts der jüngsten Entwicklung jedoch ökonomischer, die Beiträge zu markieren, die KEINE Witze sind. Benutzt dafür

:-(


Und damit war eine Idee geboren. Ihren Durchbruch erlebte sie jedoch erst Jahre später parallel zur Entwicklung auf Schnelligkeit und Knappheit ausgelegter Kommunikationsformen wie SMS und Chats. Mittlerweile übersetzen Schreibprogramme die typografischen Smileys in grafische und erlauben noch weit mehr Variationen als ohnehin schon zahllosen, die auf Fahlmanns Idee basieren.

Der Erfinder selbst, inzwischen Professor, ist davon gar nicht begeistert. Anlässlich des 30. Geburtstags „seiner“ Emoticons machte er gegenüber dem Independent seinem Ärger über grafische Varianten Luft: „Ich finde sie hässlich. Sie ruinieren die Herausforderung, seine Emotionen auf clevere Art mit den Möglichkeiten einer Standard-Tatstatur auszudrücken.“

Patentieren ließ sich Fahlmann seine Erfolgsidee nie. Es hätte vermutlich auch nicht funktioniert. Als 2008 der russische Mobilfunk-Manager Oleg Teterin das Emoticon „;-)“ schützen lassen wollte, lehnte das Moskauer Patentamt seinen Antrag ab. ;-) sei kein Warenzeichen.

Eine gute Nachricht für alle SMS-Schreiber.

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