Eine Videokonferenz über Tausende Kilometer hinweg? In Echtzeit über die Weltwirtschaft auf dem Laufenden sein? Insiderinfos über die entlegensten Winkel der Erde bekommen? Heute alles kein Problem mehr: Durch das Internet sind zeitliche und räumliche Distanzen bis zu deren praktischen Auflösung geschrumpft. Anders als manch andere Erfolgsidee war dieser Effekt von Anfang an beabsichtigt.

Internet address, computer screenDie Geschichte des ersten Webbrowsers beginnt mit einer als lästig empfundenen Distanz. 1989 arbeitete der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee (*1955) im Schweizer Kernforschungszentrum CERN. Einige Außenstellen befanden sich im benachbarten Frankreich – nah und doch so fern, denn die Netzwerke zum Datenaustausch waren nicht ohne weiteres kompatibel. Berners-Lee ärgerte das und so meldete er bei seinem Arbeitgeber ein Projekt an. Aus diesem sollte sich die Architektur all dessen entwickeln, was wir heute als Internet kennen.

Berners-Lee erfand die Verkehrssprache HTML, das Übertragungsprotokoll HTTP, das Adress-System URL, den ersten Webserver und 1992 die erste Webseite: http://info.cern.ch. Eine Kopie ihres Inhalts existiert immer noch. Für den Datenaustausch via Internet brauchte es aber noch eine weitere Innovation, den Webbrowser. Diesen entwickelte Berners-Lee bereits im Herbst 1990. Sein Name lautete WorldWideWeb. Am 25. Dezember 1990 konnte sich der Brite erstmals damit mit seinen Webserver info.cern.ch einwählen.

Dieser Urvater von Firefox, Safari und Co. war textbasiert, besaß also noch keine grafische Benutzeroberfläche. Anders als Berners-Lees Erfindungen HTML und HTTP konnte sich sein Webbrowser nie durchsetzen. Er funktionierte auf dem seinerzeit technisch sehr fortschrittlichen, jedoch wenig verbreiteten Betriebssystem NeXTStep. Dessen Entwickler NeXT Inc. wurde übrigens 1986 von niemand Geringerem als Apple-Ikone Steve Jobs gegründet.

WorldWideWeb setzt sich nicht durch, das World Wide Web schon


Damit man den Webbrowser WorldWideWeb nicht mit dem World Wide Web verwechselt werden konnte, bekam er bald den Namen Nexus. An der kurzen Karriere des Programms änderte das jedoch nichts. Das letzte Update erfolgte im Januar 1994.

Tim Berners-Lees Erfolgsidee hingegen trug Früchte. Von den heute gebräuchlichen Webbrowsern wie dem Internet Explorer oder Chrome ist Opera der „dienstälteste“. Das Norwegische Telekommunikationsunternehmen Telenor entwickelte die erste Version bereits 1994. Kaum zwei Jahre später konnte die Öffentlichkeit das Programm nutzen. Es gibt jedoch noch einen Webbrowser, der älter ist als Opera – sozusagen den Methusalem der Branche: Lynx.

Lynx wurde bereits 1992 an der University von Kansas entwickelt. Anders als Tim Berners-Lees WorldWideWeb wurde Lynx jedoch peu a peu auch anderen Betriebssystemen zugänglich gemacht. Die aktuelle Version 2.8.7 kann man hier herunterladen. Aber Vorsicht! Wie der erste Webbrowser ist auch Lynx textbasiert. Selbst einfache Seiten wie Wikipedia sehen damit reichlich seltsam aus – eben wie in den 1990ern.

Tim Berners-Lee forscht mittlerweile an einem eigenen Lehrstuhl am Massachusetts Institute of Technology und wurde für seine Verdienste 2010 für den Friedensnobelpreis nominiert.


2009 sprach Tim Berners-Lee, der Erfinder des ersten Webbrowsers, auf der TED-Konferenz über die Zukunft des Internets:

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