Die heutige Erfolgsidee begleitet uns auf Schritt und Tritt. Man benutzt sie am Geldautomaten, an der Tankstelle und beim Arzt. Sie erleichtern das Einkaufen und machen das Telefonieren mit Handys überhaupt erst möglich: Chipkarten.

Aus dem Alltag sind sie überhaupt nicht mehr wegzudenken, dabei gibt es Chipkarten noch nicht einmal seit 30 Jahren. Die Idee dazu hatte ein deutscher Erfinder.

Wobei es im Grunde zwei Ideen waren. Denn was wir heute als Chipkarte bezeichnen, meint zwei verschiedene Varianten des gleichen Grundkonzepts. 1968 meldete Jürgen Dethloff (1924-2002) gemeinsam mit seinem Kollegen Helmut Göttrup (1916-1981) den Identifizierungsschalter (DE000001945777A) an, eine Plastikkarte mit einem Schaltkreis. 1976 folgte Dethloffs Erfindung mit dem sperrigen Titel „Einrichtung zur Durchführung von Bearbeitungsvorgängen mit wenigstens einem Identifikanden und einer Vorrichtung“ (DE000002760485C2). Gemeint ist damit eine Chipkarte mit einem integrierten Prozessor, eine so genannte Mikroprozessorkarte.

Was hat es damit auf sich? Die einfachste Variante einer Chipkarte besitzt lediglich einen Speicher und eine Logikschaltung. Diese Speicherkarten werden als Telefon- oder Krankenversicherungskarten eingesetzt. Weit mehr Möglichkeiten zur Anwendung bieten die Mikroprozessorkarten. Diese können frei programmiert und – was vielfach entscheidend ist – gesichert werden. Bei Geld- oder Sim-Karten geschieht das durch einen Pin-Code.

„Erfolgreiche Erfinder sind eigentlich Unternehmer”

Dethloffs und Göttrups Patente gaben den Startschuss für den Siegeszug der Chipkarten, allerdings waren auch andere helle Köpfe daran beteiligt. So gab etwa der Franzose Roland Moreno der Pin-Sicherung mit seinem ebenfalls 1976 angemeldeten Patent wichtige Impulse. Sein Landsmann Michel Ugon leistete entscheidende Beiträge in der Weiterentwicklung der Mikroprozessorkarte.

Auch die ersten großen Feldversuche wurden in Frankreich gemacht. Ende der 1970er Jahre experimentierten Banken dort mit den Vorläufern der heutigen Chipkarten. 1984 führte die französische Post die erste wieder aufladbare Telefonkarte ein.

Die Grundlagenarbeit der beiden Chipkarten-Pioniere steckte in jeder dieser „klugen“ Karten. Dabei war Jürgen Dethloff gar kein Forscher. Und als reiner Erfinder sah sich der gelernte Rundfunkmechaniker auch nicht. In einem Interview sagte er: „Ein erfolgreicher Erfinder ist eigentlich ein Unternehmer, der sich überlegen muss, was der Markt morgen braucht. Denn was heute gebraucht wird, das machen ja in der Regel schon viele.“

Bereits mit 26 Jahren gründete Dethloff eine Elektronikfirma und stellte Sprechanlagen für den Einsatz auf Schiffen her. Zu seinen wichtigsten Kunden gehörte der legendäre griechische Reeder Aristoteles Onassis. Dethloff rüstete sogar dessen Privatjacht mit Funk- und Wechselsprechtechnologie aus.

Der Zeit 20 Jahre voraus

Seine Idee einer großen Elektrode, um Fischschwärme in die Netze von Kuttern anzulocken, brachte es 1959 sogar auf das Titelblatt des Magazins Stern. Doch der 1924 in Stettin geborenen Dethloff gab Funk und Elektrofischerei bald auf und verkaufte sein Unternehmen. Er hatte ein neues Projekt: elektronische Speicherchips.

Mit seiner Erfolgsidee war Dethloff seiner Zeit dann ein gutes Stück voraus: Am 13. September 1968 wurde ihm das Prioritätsrecht für seinen Identifizierungsschalter erteilt. Vier Wochen später hob in den Vereinigten Staaten eine Saturn-V-Rakete an. An Bord befand sich das erste bemannte Apollo-Raumschiff – und jede Menge elektronischer Speicher. Dethloffs Genie bestand nun darin, zu erkennen, dass Speicher kleiner, leistungsfähiger uns billiger werden würden. Bis zur flächendeckenden Einführung von Telefon-, Versicherten- und Geldkarten sollten schließlich noch viele Jahre vergehen.

Reich gemacht hat seine Idee den Unternehmer Jürgen Dethloff nie, wohl aber den Erfinder Jürgen Dethloff unsterblich.

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