Ohne sie müsste man noch immer für jeden Senderwechsel zum Fernseher laufen,  gäbe es wahrscheinlich keine Auswahl zwischen über 100 Kanälen und hätte es das Wort „zappen“ nie in den Duden geschafft: Die Fernbedienung gehört zu den am weitesten verbreiteten Erfolgsideen des 20. Jahrhunderts.

Kein Fernsehgerät wird heute ohne den kleinen Helfer verkauft, der es ermöglicht, per Infrarot die Sender zu wechseln. Auch für Computer, Musikanlagen und Garagentore gibt es sie. Während andere Erfindungen wie Telegrafie, Rundfunk oder das Internet lange Distanzen zwischen Menschen verkürzten, egalisierte die Fernbedienung die letzten paar Meter. Wie wenige Ideen steht sie heute für ein hohes Gut unserer Zeit: den Komfort. Die Erfindung der Fernbedienung ist dabei fast so alt wie das Gerät, für das sie erdacht wurde.

Es funktionierte ähnlich wie eine Taschenlampe und glich im Aussehen einer Spritze für den Gartenschlauch. Um es an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen, wurde es in der Werbung wahlweise mit einem Revolver oder einem Föhn verglichen. Die erste Fernbedienung war 1955 eine kleine Sensation.

Erfunden wurde das Gerät von einem Techniker des amerikanischen Fernseher-Herstellers Zenith: Eugene Polley. Der damals 40-Jährige hatte bei Zenith als ungelernter Lagerist angefangen – ein Schulabbrecher aus schwierigen Verhältnissen. Doch seine Idee war brillant. Polleys „Flash-Matic“ war batteriebetrieben und steuerte den Fernseher mittels eines Lichtstrahls. Leuchtete man damit auf eine der mit lichtempfindlichen Sensoren versehenen Ecken des entsprechenden TV-Gerätes, wechselte es zum jeweiligen Fernsehkanal – praktischerweise gab es seinerzeit in den USA nur vier Programme.

Polleys neue Technik verkaufte sich im ersten Jahr 30.000 Mal, war aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Starke Sonneneinstrahlung ließ den Fernseher willkürlich die Kanäle wechseln, und wenn die Batterien leer waren, dachten nicht wenige Benutzer, ihr Fernseher sei kaputt.

Zenith beauftragte daraufhin den aus Wien stammenden promovierten Physiker Robert Adler, eine batterielose Fernbedienung zu konstruieren. Adlers „Space Command“ funktionierte mit Ultraschall. Statt durch Licht war Adlers Fernbedienung durch Schallquellen zu stören, trotzdem setzte sich die Ultraschalltechnik durch. Adler bekam allen Ruhm, Polley lediglich 1000 Dollar für seine Mühen.

Späte Ehre für den Pionier

Der Durchbruch der Fernbedienung, wie man sie heute kennt, kam Jahre später mit der Einführung der Infrarottechnik. Und diese basiert mittelbar auf Polleys „Flash-Matic“. Lange Zeit stand der Tüftler im Schatten Adlers. Erst in den letzten Jahren wandelte sich das Bild. 1997 erhielten Adler und Polley gemeinsam den Fernseh-Oscar Emmy für ihre Erfindungen. Als Polley am 20. Mai 2012 im Alter von 96 Jahren starb, nannte ihn Zenith-Sprecher John Taylor den „Vater der Fernbedienung“.

Heute droht ihr der Niedergang. Nicht, weil Polleys Erfindung sich überholt hätte, bloß braucht sie für ihre Funktion nicht länger ein handgroßes Plastikgehäuse. Wo immer weniger linear Fernsehen geschaut wird und immer mehr Inhalte in Mediatheken, wo das TV-Gerät nur noch eines von diversen möglichen Abspielgeräten darstellt, da geht auch die Fernbedienung einfach in der neuen Technik auf. Sie wird zum kleinen Hilfsprogramm – zur App.

Und die Entwicklung geht weiter. Bald kommen Fernseher mit Sprachsteuerung. Gut möglich also, dass der Streit um das Programm zukünftig nicht mehr auf der Couch stattfindet, sondern direkt zwischen Zuschauer und interaktionsfähigem Fernseher.

Cord Krüger

 
Von welcher Erfolgsidee sollen wir nächste Woche berichten? Stimmen Sie auf unserer Facebook-Seite ab!

https://www.facebook.com/SelfmadeErfolg

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *