Man benutzt sie praktisch täglich, oft sind sie unverzichtbar und in manchen Situationen, genau, wie die Werbung es verspricht „unbezahlbar“: Kreditkarten. Waren sie früher eher mit Geschäftsreisenden oder VIPs verknüpft, gehören sie durch Globalisierung und Online-Handel inzwischen für fast jeden zu den selbstverständlichen Zahlungsmitteln. In den vergangenen 15 Jahren fanden sie gewissermaßen den Weg von der Business- in die Economy-Klasse.

Heute sind Kreditkarten relativ einfach zu beschaffen. Über Banken bekommt man Visa und Mastercard; American Express und Diners gibt es direkt bei den gleichnamigen Kreditkartengesellschaften. Das Format ist bei allen gleich: 85,60 mal 53,98 Millimeter, ein Seitenverhältnis, das Ästheten und Mathematikinteressierte erfreut, entspricht es doch dem seit der Antike verehrten Goldenen Schnitt. Ein ungewöhnliches Format für einen Schlüssel, aber letztendlich sind Kreditkarten in vielerlei Hinsicht nichts weniger als das: Schlüssel.

Und sie funktionieren praktisch überall rund um den Globus. Mastercard rühmt sich, weltweit 32 Millionen Akzeptanzstellen in 210 Ländern zu haben. Bemaß man vor einigen Jahren den Zivilisationsgrad einer Gegend noch daran, ob sich vor Ort McDonald’s oder Coca Cola finden ließen, lautet die entscheidende Frage heute: „Akzeptieren Sie Visa?“

Aber wo hat das alles angefangen? Wer erfand die Kreditkarte?

Die Erfolgsidee kam von außen

Die Kreditkarte wie man sie heute kennt – als bargeldloses, nicht automatisch gedecktes Zahlungsmittel, ausgegeben von einer Bank oder Kreditkartengesellschaft – hat viele Ahnen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen Geschäfte und Hotels, spezielle Geldkarten an ihre Kunden und Gäste auszugeben. Diese Vorläufer der Kreditkarten waren jedoch nicht universell einsetzbar. Wer bargeldlos einkaufen gehen wollte, musste Dutzende Karten mit sich herumtragen.

Das änderte sich im Februar 1950. Ralph Schneider und Frank McNamara gründeten in New York Diners Club und schufen damit eine Organisation, deren Kreditkarte von zunächst 27 verschiedenen Restaurants akzeptiert wurde. Die Legende, wonach McNamara die Idee zur Kreditkarte gekommen sei, als er wegen einer vergessenen Brieftasche ein Geschäftsessen peinlicherweise nicht habe bezahlen können, stimmt übrigens nicht. McNamara ließ diesen Gründungsmythos von seinem PR-Berater verbreiten.

Richtig ist jedoch, dass die Diners-Club-Karte sich zu einem Erfolg entwickelte. In den folgenden Jahren entstanden vergleichbare Karten von American Express, Visa und Mastercard. Sie dominieren den Markt bis heute. Im Jahr 1959 hatten sich Kreditkarten nach erfolgreichen Feldversuchen der Bank of America als Zahlungsmittel zunächst in Kalifornien durchgesetzt und traten von dort aus ihren Siegeszug um die Welt an.

Die Idee der Kreditkarte und vor allem ihr Name, ist hingegen noch einmal über 60 Jahre älter als Diners Club. Sie stammt weder von einem Bankier noch von einem anderen Experten aus der Finanzbranche. Der geistige Vater der Kreditkarte ist der Science-Fiction-Autor Edward Bellamy. 1887 stellte er das Konzept der Kreditkarte in seinem Buch „Looking Backwards“ vor. Es beschrieb einen fiktiven Rückblick aus dem Jahr 2000 auf das 19. Jahrhundert.

Die Geschichte der Kreditkarte zeigt dreierlei: dass Innovationen auch von fachfremder Seite angestoßen werden können ; dass es Pioniere braucht, die solch revolutionäre Ideen in die Tat umsetzen und dass manche Erfolgsgeschichte über 100 Jahre umspannen kann, vom einzelnen ersten Gedanken bis zu der täglich abertausendfach überall zu hörenden Frage: „Akzeptieren Sie Visa?“

Cord Krüger

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