Wer eine grandiose Erfindung macht, benötigt immer noch einen Investor. Da haben es unabhängige helle Köpfe oft leichter als solche, die in ihrer Firma um Unterstützung werben müssen – vor allem, wenn die fragliche Erfindung nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens passt. So war es auch im Fall einer aus dem modernen Alltag kaum wegzudenkenden Gerätschaft, der Mikrowelle. Hier kam alles zusammen: eine zufällige Entdeckung, ein vom Potenzial seiner Idee überzeugter Erfinder und ein Konzern, der über seinen Schatten sprang – mit Erfolg.

Hand Opening MicrowaveWährend des Zweiten Weltkriegs arbeitete  der Ingenieur Percy Spencer (1894-1970) für den amerikanischen Elektronikkonzern Raytheon. Er beschäftigte sich mit Radaranlagen, die seine Firma nach britischer Lizenz fertigte. Vor allem ein Bauteil hatte es Spencer angetan: das Magnetron. Hierbei handelt es sich um eine Elektronenröhre, also einen Generator, der Strahlung im Mikrowellenbereich erzeugt – der zentrale Bestandteil einer Radaranlage.

Da diese Technik seinerzeit noch in den Kinderschuhen steckte und Spencer ein begnadeter Techniker war, gelang es ihm, die Konstruktion drastisch zu optimieren. Bei Raytheon war man davon derart begeistert, dass Spencer bald nicht mehr 15 Angestellte führte, sondern 5000. So leistete Spencer einen wichtigen Beitrag zur technischen Überlegenheit der USA gegenüber den Achsenmächten. Die US-Navy zeichnete ihn deshalb mit ihrer höchsten Zivilpersonen zugedachten Medaille aus, und Raytheon avancierte zu einem der größten Rüstungskonzerne Nordamerikas.

Vom Radar zur Mikrowelle

Während seiner Arbeit an den Magnetronen machte Spencer jedoch eines Tages eine überraschende Entdeckung. Als er sich in unmittelbarere Nähe zu einem aktivierten Gerät befand, bemerkte er, dass der Schokoriegel, den er in seiner Hosentasche transportierte, schmolz. Spencer sah sofort den Zusammenhang zwischen den Mikrowellenstrahlen und der klebrigen Bescherung in seiner Hose und wagte ein Experiment: Er stellte eine Portion Mais vor ein Magnetron. Als es den Mais zu Popcorn verwandelte, wiederholte der Ingenieur seinen Versuch mit einem rohen Ei. Hierbei stellte er fest, dass es von innen nach außen erhitzt wurde.


Spencer hätte seine Beobachtungen ad acta legen können, immerhin war er mit der Arbeit an Rüstungstechnik mehr als ausgelastet. Doch das tat er nicht. Er sah die Möglichkeiten, die seine Entdeckung barg und wandte sich an die Unternehmensführung. Raytheon hatte keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet der Haushaltselektronik, folgte jedoch Spencers Idee.

Zwei Dollar für eine Milliarden-Idee

Am 8. Oktober 1945 meldete er seine von ihm RadarRange getaufte Erfindung zum Patent an. Anderthalb Jahre später brachte Raytheon die erste Mikrowelle auf den Markt. Er besaß das Format einer großen Kühl-/Gefrierkombination und kostete bis zu 3000 US-Dollar (das entspräche heute 31.000 US-Dollar). Als sie erschwinglicher wurden, trat die Mikrowelle Mitte der 1960er Jahre ihren Siegeszug in den Küchen Amerikas an.

Percy Spencer wurde unterdessen in die Chefetage von Rayethon befördert. Außer Ruhm, mehr als 300 Patenten und einem Managergehalt erhielt er allerdings nichts für seine Erfolgsidee. Rayethon zahlte ihm lediglich die gleichen symbolischen zwei Dollar, mit denen das Unternehmen jeden Verbesserungsvorschlag eines Mitarbeiters belohnte. Zumindest derartige Enttäuschungen muss man als unabhängiger Erfinder niemals erleben.

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