Den meisten erleichtert sie zuverlässig den Alltag. Sie befördert U-Bahn-Fahrende von einer Ebene zur nächsten, lässt abgehetzte Kaufhauskunden ein paar Sekunden innehalten und bietet vielen Kindern ein klein wenig Nervenkitzel: die Rolltreppe.

Das Besondere an der Roll- oder auch Fahrtreppe ist nicht allein ihre Konstruktion, sondern vor allem die Bewegungsrichtung. Aufzüge bewegen sich vertikal, Laufbänder horizontal, Rolltreppen hingegen in der Diagonale. Ihre Stärken spielt sie vor allem aus, wenn es darum geht, viele Menschen zu bewegen. Damit ist die Rolltreppe im Grunde eine sehr spezielle Beförderungsmöglichkeit, gehört dennoch zu den seit Jahrzehnten selbstverständlich genutzten technischen Hilfsmitteln der Moderne.

Aber wer hat sie eigentlich erfunden?

Die Erfolgsgeschichte der Rolltreppe beginnt mit einem Misserfolg. Denn als  Nathan Ames am 9. August 1859 in Massachusetts ein Patent für eine von ihm „Umlaufende Treppe“ genannte Erfindung anmeldete, galt sie nicht nur als unpraktikabel, wenig durchdacht und unnütz – sie war es auch. Selbst beim Antrieb seiner Umlaufenden Treppe blieb Ames vage und überhaupt: Wo sollten denn diese Menschenmengen sein, die sich mit der Erfindung diagonal durch die Gegend befördern ließen? Ames‘ Idee verschwand in der Versenkung. Dreißig Jahre lang.


1889 ließ Leamon Souder eine ähnliche Konstruktion patentieren. Auch von ihr wurde nie ein Prototyp konstruiert. Weitere drei Jahre gingen ins Land bis Jesse Wilford Reno seinen „Endlosen Aufzug“ anmeldete, kurz danach folgte George A. Wheelers Interpretation der gleichen Grundidee.

Die erste Rolltreppe stand in einem Freizeitpark

Für Rolltreppen war mittlerweile ein Markt entstanden. Hochhäuser wuchsen in den Metropolen der Welt empor, Kaufhäuser wurden größer und größer und Untergrundbahnen nahmen ihren Betrieb auf. Tatsächlich gebaut wurde Renos Endloser Aufzug jedoch erst für den Vergnügungspark Coney Island in der Nähe von New York. Das Verständnis für den praktischen Nutzen der kuriosen Erfindung wuchs nur langsam.

Den endgültigen Durchbruch brachte die Jahrhundertwende. Das Kaufhaus Harrods in London installierte 1898 eine Rolltreppe; die Weltausstellung 1900 präsentierte sie der Weltöffentlichkeit. Die Otis Elevator Company produzierte sie schließlich in Serie – in der heute bekannten Form seit 1920.

Seit der Nachkriegszeit gehören Rolltreppen zum alltäglichen Bild. Für eine Freizeitparktattraktion sind sie schon lange nicht mehr spektakulär genug. Dabei gibt es genug staunenswerte Modelle: etwa das beinahe 800 Meter lange Central-Mid-Level-System in Hongkong, die beeindruckende 126 Meter lange Variante in der Moskauer Metro oder die eine Kurve beschreibende Fahrtreppe in Yokohama. Alles in allem also gar keine schlechte Bilanz für eine eigentlich unnütze Idee.

Cord Krüger

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *