Um die Grandhotels dieser Welt ranken sich unzählige Geschichten und Mythen. Viele sind wahr, manche erfunden, immer jedoch tragen sie zum Ruf eines Hauses bei. Wer sich in einem der besten Hotels der Welt einmietet, bezahlt darum nicht nur für allerlei Annehmlichkeiten, sondern auch dafür, ein Teil in dessen Historie zu werden.

Luxushotels dienten als Kulisse für Kinoklassiker wie Menschen im Hotel (1932), Flying Down to Rio (1933), Manche mögen’s heiß  (1959), oder Ocean‘s Eleven (2001). Die Erzählungen des Schriftstellers Sommerset Maugham von seinen Aufenthalten im Mandarin Oriental in Thailand sollen Ian Fleming zu seinen James-Bond-Romanen inspiriert haben. Und als Vorbild für sein von Geistern heimgesuchtes Overlook Hotel diente Stephen King in Shining das Banff Springs Hotel in den kanadischen Rocky Mountains.

Einigen Persönlichkeiten gefiel das Lebensgefühl in Hotels so gut, dass sie länger blieben. Erfinder Nikola Tesla beispielsweise verbrachte die letzten zehn Jahre seines Lebens im New York Hotel; Schriftsteller Vladimir Nabokov und seine Frau lebten 16 Jahre lang im siebten Stock des Schweizer Montreux Palace Hotels; mehr als 30 Jahre lang blieb Designerin Coco Chanel im Pariser Ritz; und Industriemagnat Howard Hughes schottete sich ein Jahrzehnt lang in den besten Häusern von Las Vegas, Acapulco, Nassau, London und Vancouver von der Außenwelt ab.

Traditionen und neuer Luxus

Aber wie und wann entstanden die legendären Luxushotels? Das Guinnessbuch der Rekorde führt als ältestes Hotel der Welt das Hoshi Ryokan in Japan. Es eröffnete im Jahr 717 und befindet sich seit sage und schreibe 46 Generationen in Familienbesitz. Frühe Hotels wie das Hoshi Ryokan waren Gasthäuser mit Übernachtungsmöglichkeit. Der Wandel von einfachen Herbergen zu den besten Unterkünften der Stadt setzte erst viel später ein.


Ende des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Belle Époque, entstand eine durch die Industrialisierung reich gewordene Oberschicht. Luxus war nicht länger dem Adel vorbehalten. Auch erfolgreiche Unternehmer konnten und wollten ihn genießen. Diese reichen Bürger waren zudem äußerst reiselustig und so entstand mehr und mehr Bedarf an außergewöhnlich ausgestatteten Hotels.

Zu den ersten und bekanntesten ihrer Art gehörten das Langham in London (1865) und dasHotel Sacher in Wien (1876). In New York investierte der ehemalige Botschafter William Astor 1893 sein Erbe in den Bau des Waldorf Hotels und fusionierte es vier Jahre später mit dem benachbarten Hotel seines Cousins zum berühmten Waldorf-Astoria.

Vom Schuhputzer zum „König der Hoteliers“

Untrennbar mit der Ausbreitung von Luxushotels ist auch die Erfolgsgeschichte des Schweizers César Ritz (1850-1918). Der 13. Sohn eines Bauern arbeitete sich vom Kellner und Schuhputzer zum Restaurant-Manager in Nizza und schließlich zum Direktor des Rigi Kulm Hotels hoch. Durch seine Freundschaft mit dem Meisterkoch Auguste Escoffier und geschicktes Networking gelang es ihm, andere für seine Ideen zu begeistern.

1878 übertrug ihm ein Investor die Leitung des Grandhotel National in Luzern. Ritz machte daraus das seinerzeit wahrscheinlich beste Hotel der Welt. Es gab Badewannen auf den Zimmern, Telefone und elektrisches Licht – so machten Luxushotels auch neue Erfindungen populär. Bald war Ritz ständig auf Reisen, führte zeitweise 14 Hotels und eröffnete Häuser nach seinen Vorstellungen unter anderem in Paris (1898), London (1906) und Madrids. Edward VII nannte ihn den „König der Hoteliers und Hotelier der Könige“.

Auch außerhalb Europas entstanden berühmte Grandhotels. In Bangkok eröffnete 1876 das Mandarin Oriental, in Rio de Janeiro 1923 das Copacabana Palace, auf Madeira 1891 dasReid’s Palace, in Quebec 1893 das mächtige Château Frontenac  und in St. Petersburg 1875 das l’Europe.

Neueröffnungen von Luxushotels sind heute, anders als vor 130 Jahren, kaum noch Ereignisse von großem öffentlichem Interesse. Von sich Reden machten zuletzt das architektonisch ambitionierte Burj al Arab (1999) in Dubai sowie das Emirates Palace in Abu Dhabi. Demnächst öffnet in Mekka das 601 Meter hohen Royal Clock Tower Hotel.

Ob sie auch einmal so legendär werden wie das Ritz in Paris oder das Waldorf-Astoria in New York wird sich zeigen. Für den Erfolg der Grandhotels braucht es jedenfalls seit je her dreierlei: eine Vision, modernsten Luxus und viel, viel Zeit.

Cord Krüger

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