Höhenangst war schon immer mein großes Problem. Wenn wir mit der Klasse einen Ausflug machten und irgendwo ein Aussichtsturm bestiegen wurde, nahm ich mir jedes Mal vor, es diesmal endlich zu schaffen. Meine Mitschüler hänselten mich jedes Mal, ich sollte mich doch nicht so anstellen. Aber nach drei oder vier Etagen war’s vorbei und ich rannte völlig aufgelöst wieder nach unten.

Selbst wenn ich einen Klassenkameraden zu Hause besuchte und die wohnten in der 6. Etage und das Treppenhaus war durchgängig, das heißt man konnte ganz heruntergucken. Dann war das für mich ein echtes Problem, so dass ich mich an der Außenwand herumdrückte und ich somit einen größtmöglichen Abstand zum Geländer hatte und nicht nach unten schauen konnte.

Schlimm war es, als ich es dann im Alter von 17 Jahren zu einem Lebensproblem wurde. Ich hatte mich verliebt und diejenige, die mein Herz höher schlagen ließ, wohnte in einem Hochhaus in der 16. Etage. Es war schön, sich mit ihr im Café zu treffen, denn zu mir nach Hause konnte ich sie nicht einladen. Und wenn ich ihr gesagt hätte, dass ich zu ihr nicht kommen kann, hätte sie mich wahrscheinlich für ein Weichei gehalten.
Ich stand vor zwei Alternativen, Mädchen verlieren oder meine Angst loswerden. Irgendwie machte ich mir klar, dass es ja nicht so gefährlich sein konnte, mit einem geschlossenen Fahrstuhl in die 16. Etage zu fahren. Obwohl ich natürlich die zusätzliche Sorge beim Fahrstuhl hatte, was denn wohl ist, wenn der mal stecken bleibt. Ich hörte aber nirgends Geschichten und las auch in der Zeitung nichts, dass es vielen Menschen schlecht ergangen ist, weil sie dies täglich tun. Also fasste ich mir ein Herz und nahm meinen ganzen Mut zusammen und besuchte sie. Sie hat wahrscheinlich meine feuchten Hände und meinen ängstlichen Blick als Nervosität gedeutet. Aber ich wusste von diesem Zeitpunkt an: Wenn man etwas wirklich will, verliert man die Angst, es zu tun. Heute habe ich meine Höhenangst komplett verloren.

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