Anonymer Autor

Stolz bin ich schon, wenn ich heute Komplimente bezüglich meiner Figur und meines sicheren und selbstbewussten Auftretens erhalte. Ich wurde in der Klasse immer gehänselt, ich war der Schwächling, totaler Leptosom, wie eine Hundehütte, in jeder Ecke ein Knochen, der absolute Außenseiter eben. Sport war die reinste Katastrophe für mich. Egal ob Leichtathletik, Geräteturnen, Fußball oder Basketball,  ich lag immer auf der Nase, wurde immer als letzter von der Bank in die „Mannschaft“ gewählt (bzw. notgedrungen aufgenommen) und hätte am liebsten jedes Mal den Sportunterricht geschwänzt.

Immer wenn es Frust in der Schule gab oder einer meiner „ach so coolen“ Mitschüler sich vor den Mädchen beweisen wollte, musste einer herhalten. Einer wurde dann geschubst oder getreten oder bekam eine geknallt, wurde gemobbt oder gehänselt und derjenige war ICH! Zu Hause merkte meine Mutter schnell, dass etwas nicht stimmt und sie nötigte dann stets meinen Vater dazu, bei den Eltern meiner Klassenkameraden anzurufen. Bis mein Vater irgendwann sagte: „Es reicht. Junge, Du musst lernen Dich zu verteidigen, keine Angst zu haben und dies vor allem den anderen nicht zu zeigen!“  Darauf erwiderte ich weinend, wie ich das denn machen solle, die anderen sind doch viel stärker. Die Antwort klang nicht nach Vaterliebe: „Dann musst Du eben stärker werden als die anderen!“ Tja, in der Woche darauf war ich im  Judo angemeldet, mein Vater fuhr mich hin und holte mich auch wieder ab. Schon die erste Stunde war eine Katastrophe. Ich war der Schwächste, flog ständig auf die Matte, überall blaue Flecken, alles tat weh. Ich wollte natürlich nie wieder dahin, aber mein Vater zwang mich…sozusagen zum Glück. Die nächsten Male fiel ich schon weniger hin und es tat auch schon nicht mehr so weh. Parallel dazu, begleitete ich meinen älteren Bruder ins Fitnessstudio, um – ich war damals in der Pubertät – vielleicht auch der Mädchenwelt endlich zu gefallen.

Ich wurde immer besser in Judo und mein Körper entwickelte sich langsam aber sicher. Schnell merkte ich jedoch bei der nächsten richtigen Auseinandersetzung auf dem Pausenhof, dass Judo vielleicht als Basis klasse ist, jedoch auf der „Straße“ nicht wirklich etwas bringt. So wechselte ich von Judo zu Jiu-Jitsu zu All-Style-Do-Karate, zu Taekwando und landete schließlich bei Muay-Thai-Boxen. Eines Tages wollte mich auf dem Schulhof wieder einer verkloppen, jedoch lag nicht ich am Ende auf dem Boden, sondern er. Ich hatte ein Statement gesetzt: Do not touch ME! Mein Selbstbewusstsein wuchs enorm. Mein Auftreten war nicht mehr mit meinem früherem zu vergleichen. Wie eine andere Person. Wie ausgewechselt. …was für ein Gefühl. Natürlich hat sich das rumgesprochen und der Stärkste von der Schule knöpfte sich mich vor. Zugegeben, ich bin kein Schläger, kein Straßenkämpfer, das möchte ich auch niemals sein, da ich finde, dass Kampfsport nur zur Verteidigung seiner selbst und eines anderen in angebrachtem Maße eingesetzt werden sollte. Ich „gewann“ zwar nicht so deutlich wie das Mal zuvor, aber das Ergebnis war ein knappes Unentschieden. Ein leichtes Opfer war ich nicht mehr und man ließ mich künftig in Ruhe.

Dank des zusätzlichen Krafttrainings mit meinem älteren Bruder, sah ich mittlerweile nicht mehr aus wie „Bernd das Brot“, sondern richtig athletisch. Das Opfer von gestern gehörte der Vergangenheit an. Meine Arm-, Brust- und Rückenmuskeln wuchsen – nicht umsonst heißt es Bodybuilding. Ich habe meinen Körper tatsächlich gebaut, mit viel Schweiß, Schmerzen und Durchhaltevermögen.

Und heute? Heute bin ich selbstbewusst. Ich weiß was ich kann. Ich weiß wer ich bin. Ich weiß was ich erreichen kann, wenn ich es nur wirklich möchte. Das mag für manche arrogant und eingebildet klingen, die verstehen meine Geschichte folglich nicht. Ich bin mir sicher, dass so manch einer dies liest und sich damit identifizieren kann. Genau für diese Personen habe ich das geschrieben, um jenen Mut zu machen, um zu zeigen, dass es auch anders geht, wenn man nur selbst wirklich etwas an sich verändern möchte. Erfolg ist greifbar, solange man niemals aufgibt, sich niemals entmutigen lässt und man immer nach vorne schaut, das Ziel sozusagen vor Augen behält.

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