Den Job wollte ich, aber lernen wollte ich nicht. In unserem Ingenieurunternehmen war die Karriereleiter zugeparkt. Mein Vorgesetzter beurteilte mich sehr positiv, aber die einzige Aufstiegsmöglichkeit wäre gewesen, dass er seinen Stuhl räumt…leider war er 3 Jahre jünger als ich. Irgendwie gönnte man mir den Aufstiegsschritt, aber es war eben keine Stelle frei. Jetzt wurde ich immer wieder gefragt, wie weit es denn mit meinen Englischkenntnissen sei. Natürlich hatte ich in der Schule Englisch gelernt und kam auch im Urlaub so einigermaßen durch, aber Fachbegriffe oder komplizierte Sätze der Techniksprache hätte ich nicht gepackt und Lust auf Lernen hatte ich sowieso nicht. Ich bin sprachlich ohnehin nicht begabt, deswegen habe ich mich in der Schule auch mehr auf die Naturwissenschaften konzentriert und später Ingenieurswesen studiert.

Den Tag als wir mit dem Trecker und Bauernanhänger unser Abitur feierten, werde ich nie vergessen, denn ab dem Zeitpunkt war der Zwang Fremdsprachen zu lernen beendet. Wenn ich dann aber so im Freundeskreis hörte, wer welche Position bekam, wer nach oben versetzt wurde, begann ich mich schon zu ärgern. Irgendwie wollte ich dann auch immer mehr, aber die Hürde waren ganz klar meine Fremdsprachenkenntnisse. Als die Firma dann noch anbot, dass ich persönliche Sprachnachhilfe bekäme und wir uns die Sache so teilen würden, dass ich bei voller Kostendeckung lediglich meine Freizeit opfern musste – also kein Büffeln während der Arbeitszeit – sagte ich spontan zu. Dann begann die Quälerei, aber ich hatte das Ziel für mich definiert: nämlich die Sprache so gut zu lernen, dass ich ins Ausland gehen und dort stellvertretender Werksleiter werden konnte. Obwohl die ersten Stunden eine wahre Qual waren, kam ich meinem Ziel doch immer näher. Ich kann nur jedem raten, schnell nach der Schule einen Auslandsaufenthalt einzuschieben, so dass er durch Sprachbehinderung nicht auch noch Karrierebehinderung erfährt und wenn man etwas aufzuholen hat, warten Sie nicht so lange wie ich – mittlerweile lebe ich glücklich mit meiner Familie in Spanien und es geht uns hier so gut, dass ich mich manchmal darüber ärgere den Schritt nicht eher gemacht zu haben.

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