Experte:

M.A. Wirtschaftswissenschaften Franz Albert Springer

Mobbing

Mobbing erfolgt in der Regel niemals ohne Grund. Wobei der Grund für die Aktivitäten des Täters oder der Täter für den Außenstehenden oft nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

Der Täter formuliert, auf der Basis seines „Mobbingrundes“, das Ziel seiner Mobbingaktivitäten, die er dann oft mit peinlicher, penibler Gründlichkeit in die Tat umsetzt. In der Berufswelt beinhaltet die Zielformulierung fast immer die Eliminierung des Opfers. Das Opfer soll zur Aufgabe, zur Kündigung gezwungen werden und wenn dies sich nicht realisieren lässt wird darauf hingearbeitet, dass der Arbeitgeber dem Opfer kündigt.

Für die Zielgerichtetheit von Mobbingaktivitäten kann folgendes reale Beispiel aus den 1970er Jahren dienen:

Herr Dieter S. wird als neuer Stellvertreter des Abteilungsleiters der Zollabteilung eines großen süddeutschen Nutzfahrzeugeherstellers eingestellt. Sein erklärtes Ziel ist es in absehbarer Zeit die Abteilungsleiterstelle zu erreichen, die derzeit noch von Herrn Friedrich L. besetzt ist.

Sehr bald erkennt Dieter S., dass Herr L. offenbar private Schwierigkeiten hat und in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist. Dieter S. gibt sich verständnisvoll und gewinnt dadurch das Vertrauen seines Abteilungsleiters, der ihm sein Herz ausschüttet. Herr L. wurde von seiner Frau verlassen und sieht sich einer unschönen Scheidungsauseinandersetzung ausgesetzt. Zudem besteht bei Herrn L. schon länger der Verdacht auf Darmkrebs. Herr L. ist psychisch in einem sehr desolaten Zustand und bekämpft seine Probleme immer häufiger mit Alkohol.

Der Täter nutzt beim Mobbing Schwachstellen seines Opfers

Diese Schwachstelle erkennt Dieter S. und verfolgt nun zielgerichtet seinen Plan Abteilungsleiter zu werden. Im Außenverhältnis demonstriert er unbedingte Loyalität zu seinem Vorgesetzten. Im Innenverhältnis macht er sich bei Herrn L. dadurch beliebt, dass er ihm hin und wieder eine Flasche Cognac schenkt, die dieser arglos in seinem Büro, nach und nach konsumiert.

So bleibt es denn nicht aus, dass Herr L., bedingt durch den Genuss des Cognacs, öfters von einer Übelkeit befallen wir. Dieter S., ganz loyaler Mitarbeiter, fährt in einem solchen Falle Herrn L. stets mit seinem Privatwagen nach Hause. Er achtet dabei allerdings immer sorgfältig darauf, dass alle Kollegen und Kolleginnen diese Auftritte mitbekommen.

Nach mehreren Monaten und zahllosen „Heimfahrten“ des Herrn L. wird Dieter S. zu einem Gespräch zum Hauptabteilungsleiter gebeten. Dieser fragt ihn offen, ob er sich zutrauen würde die Zollabteilung, zunächst kommissarisch, zu führen. Herr L. habe gesundheitliche Probleme und sei den Herausforderungen dieser Stelle nicht mehr im vollen Umfang gewachsen. Dieter S. gibt zunächst seinem Bedauern über den schlechten Gesundheitszustand von Friedrich L. Ausdruck. Dann stimmt er freudig zu.

Dieter S. hat somit, durch gezieltes Mobbing, sein Ziel erreicht. Nach einem halben Jahr wird Dieter S. offiziell als neuer Abteilungsleiter der Zollabteilung installiert. Herrn L. hingegen wird das Ausscheiden aus dem Unternehmen durch eine entsprechende Abfindung schmackhaft gemacht.


Lesen Sie außerdem hier alle weiteren Teile der Mobbing-Reihe von Franz Albert Springer.

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