„Der Geschirrspüler müsste mal aufgeräumt werden“, sagt die Kollegin und die Reaktionen darauf fallen diametral verschieden aus. Während unter den weiblichen Mitarbeitern sofort Hektik ausbricht und mindestens eine in Richtung Teeküche aufspringt, verhalten sich ihre männlichen Pendants ganz anders. Mehr als ein zustimmendes Nicken ist meist von ihnen nicht zu erwarten.

Jeder hat solche Situationen schon erlebt. Im schlimmsten Fall kann daraus Unmut im Team entstehen. Wenn es in der Kommunikation zwischen männlichen und weiblichen Kollegen hakt, hat das jedoch nichts mit dem Geschlecht als solchem zu tun. Das simple Sprichwort, wonach Männer vom Mars und Frauen von Venus kommen, lässt sich oft anwenden – aber eben nicht immer.

Vielmehr gibt es im Umgang miteinander unterschiedliche Ansätze. Und wenn zwei solche Gegensätze aufeinanderprallen, kommt es zu mindestens Missverständnissen, manchmal sogar zu Frustration.

Indirekte vs. direkte Kommunikation

Das Phänomen: Der indirekte Kommunikationstyp, viele Frauen fallen darunter, formuliert häufig im Konjunktiv, adressiert ungern einzelne und gibt selten klare Anweisungen. Hat er einen Arbeitsauftrag, wirft er ihn einfach in die Runde, anstatt ihn jemandem konkret zuzuteilen. Er ist stets um Ausgleich bemüht, um ein gutes Klima im Team und vermeidet Konfrontationen.


Der direkte Typ, meist ein Mann, kann damit wenig anfangen und fühlt sich nicht angesprochen. Dass in den Worten seines indirekt kommunizierenden Gegenübers Wünsche und Anweisungen verpackt sind, erkennt er gar nicht. Was er selbst möchte, sagt er gerade heraus und so knapp wie möglich. Das wiederum empfindet der indirekte Typ als schroff oder sogar als persönlichen Angriff.

Die Lösung: Macht man sich bewusst, mit was für einem Kommunikationstyp man es zu tun hat, fällt das Miteinander sofort viel leichter. Der direkte Typ sollte ein Gespür für auf den ersten Blick „versteckte“ Aussagen entwickeln und diese nicht als Unsicherheit fehldeuten. Der indirekte Typ wiederum sollte aufhören, in den Worten der eher schlicht kommunizierenden Kollegen nach versteckten Bedeutungen zu suchen und Einfachheit nicht mit Grobheit verwechseln.

Harmonie vs. Hierarchie

Das Phänomen: Wer indirekt kommuniziert, will Harmonie und Balance in einer Beziehung oder sogar einem ganzen Beziehungsgeflecht stärken. Alle sollen an einem Strang ziehen, keiner das Gesicht verlieren, niemand sich übervorteilt fühlen. Leistungen werden eher dem Team als einzelnen Personen zugeordnet. Und ist die Harmonie gefährdet, wird sofort eingegriffen.

Wer Kommunikation eher männlich direkt angeht, empfindet Harmonie eher als nebensächlich und sieht im Teamwork häufig ein Mittel zum Zweck. Ihn interessiert nicht die Balance einer gleichrangigen Gemeinschaft, sondern sein Platz in einer Hierarchie.

Deshalb stellen Frauen oft ihr Licht unter den Scheffel, während Männer zum Brustgetrommel neigen. Sie denkt an die Harmonie im Team, er an seinen Eindruck beim Chef. Sie denkt über ihn: „So ein rücksichtsloser Aufschneider.“ Er denkt über sie: „So ein durchsetzungsschwaches Mäuschen!“

Besonders kurios kann es werden, wenn es Missverständnisse darüber gibt, ob man gerade auf Beziehungs- oder Sachebene kommuniziert. Ein direkter Typ nickt beispielsweise das Ergebnis eines indirekt gestrickten Kollegen einfach nur ab. Gute Arbeit, denkt er, Fall erledigt. Der indirekte Typ fühlt sich dadurch vermutlich nicht genug wertgeschätzt und verkennt dabei, dass sich sein Gegenüber nur auf die Sache, nicht aber auf seine Beziehung zu ihm bezog.

Andersherum läuft es ähnlich ab. Man sitzt beim Meeting, der Chef trägt eine Idee vor, alle nicken, bis auf eine Mitarbeiterin. Sie erläutert ausführlich ihre Sicht der Dinge und wundert sich, wieso die Kollegen neben ihr genervt gucken. Während alle anderen dem Chef einfach nur dessen Status versichert haben, dachte die Kollegin, es ginge um eine sachliche Diskussion.

Die Lösung: Auch hier besteht der entscheidende Schritt zu einer erfolgreicheren Kommunikation darin, hierarchie- und harmonieorientierte Typen zu erkennen. Wer seine Kollegen richtig interpretieren kann, wird sich besser auf sie einstellen können und damit mehr Erfolg haben.

Apropos Erfolg: Unternehmen erzielen bessere Ergebnisse, wenn Teamwork und Führung einander bestmöglich ergänzen, Harmonie und Hierarchie optimal austariert sind. Und dafür braucht es Mitarbeiter vom Mars und solche von der Venus. Egal, welches Geschlecht sie haben.

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