Sie kennen maximal die Herkunft, den Namen, den Treffpunkt und vielleicht ein paar Rahmendaten aus der Anzeige Ihres Objekts der Begierde – mehr noch nicht. Sie finden die Beschreibung attraktiv, können sich vorstellen, dass es eine gemeinsame Zukunft geben könnte. Und nun fragen Sie sich, was sie wohl dafür anstellen müssen.

Jedes Bewerbungsgespräch ist anders, hat es auf eine besondere Art und Weise in sich. Und eigentlich wissen Sie im Vorhinein nicht mal selbst, ob Sie den Job wollen. Das nämlich müssen Sie erst einmal für sich herausfinden – wie bei einem Blind Date.

Jedes Vorstellungsgespräch ist ein Blind Date, und jedes Blind Date ein Vorstellungsgespräch. Bei beiden müssen Sie sich selbstverständlich  von Ihrer Schokoladenseite präsentieren. Sie sollten es niemals dem Zufall überlassen – dann fallen Sie nicht auf. Aber Sie sollten sich auch nicht inszenieren, das wiederum fällt zu sehr auf.

Was müssen Sie auf dem Weg zur erfolgreichen Bewerbung beachten, worauf sollten Sie verzichten und womit können Sie bei Ihrem Gegenüber ins Schwarze treffen.

Die Anbahnung

Zum Auftakt geht es zunächst um die erfolgreiche Anbahnung des Blind Dates an sich – darum, wie Sie Ihren Wunschpartner finden und wie Sie es schaffen können, in seine oder ihre engere Auswahl zu kommen.

Jede Veränderung für Neues muss wohlüberlegt sein. Unabhängig davon, ob die Job-Börsen von Angeboten überquellen oder Sie aktuell nur wenig Vakanzen finden. Zunächst kommt es auf die richtige Auswahl einer geeigneten Stelle an. Erstellen Sie in Gedanken zunächst ein Profil Ihrer aktuellen Qualifikation – Ihrer Kenntnisse, Begabungen und Fähigkeiten. Addieren Sie dazu Themen und Kompetenzen, die Sie erlernen und Ziele, die Sie durch die Veränderung erreichen wollen. Aktueller Status und Wunschposition sollten weder zu ähnlich noch zu verschieden sein.

Eine veränderungswillige Buchhalterin eines Finanzinstituts wird kaum Veränderung durch eine Bewerbung auf einen Buchhalterjob bei einem anderen Finanzinstitut erreichen.  Ein Zugbegleiter wird es nicht ohne Zwischenschritt zum Flugkapitän schaffen. Die Buchhalterin hat aber die Fähigkeiten, sich fürs Controlling eines anderen Finanzinstituts zu bewerben, der Zugbegleiter macht vielleicht den ersten Schritt zum Flugbegleiter.

Tiefgang oder Horizont

Wissen Sie, ob Sie mehr Spezialist oder eher Generalist sind oder sein wollen? Vertiefen Sie also lieber Ihr Fachgebiet – vertikal, oder wollen Sie Ihre Kompetenzen eher übergeordnet erweitern – horizontal? Wenn Sie glauben, Aufgaben abgeben zu können, andere Menschen anzuleiten, zu führen, zu motivieren und letztlich Verantwortung für deren Arbeitsergebnisse zu tragen: Versuchen Sie den Schritt zum Generalisten. Wollen Sie in Ihrem Fachgebiet lieber selbst immer ganz vorne dabei und gefragt sein, suchen  Sie sich komplexere Aufgabengebiete, andere erfolgversprechende Branchen und Unternehmen, um dazuzulernen. Denn nur mancher Spezialist hat das Zeug zum Generalist, muss es aber auch wollen und für sich entscheiden. Und ist jemand einmal länger Generalist, fällt die Rückkehr zum Spezialist mit zunehmender Zeit immer schwerer. Der Schritt sollte also wohlüberlegt sein.

Finden statt suchen

Anhand Ihrer definierten Ist- und Wunschqualifikation entdecken Sie nun sicher einige offene Stellenausschreibungen in gängigen Jobportalen. Doch hier stehen Sie in der Regel mit einer Vielzahl anderer Bewerber im Wettbewerb. Die Kür besteht darin, die extra Meile zu gehen und den passenden Job bei einem geeigneten Unternehmen in Eigeninitiative zu finden.

Recherchieren Sie über potenzielle Job-Offerten bei Ihren Wunschunternehmen. Finden Sie heraus, wo es wirtschaftliches Wachstums-Potenzial geben könnte und bewerben Sie sich initiativ. Nutzen Sie damit die Chance, einer unter wenigen zu sein, der einen Tick früher und in bemerkenswerter Weise auf sich aufmerksam macht. Recherchieren Sie Unternehmen in Wachstumsbranchen, Unternehmen auf Expansionskurs oder Innovationsführer einer Branche. Da die Personalabteilungen zahlreiche Bewerbungen erhält und gewisse Bedarfe nicht antizipieren kann, richten Sie Ihre Blind-Bewerbung stets direkt an einen konkreten Ansprechpartner in einem Fachbereich. Den müssen Sie zwar recherchieren, er entscheidet aber letztlich über die Einstellung. Als Führungskraft oder Fachspezialist sind Sie zudem auch für Personalberater interessant. Sind manche vielleicht schon auf der Suche nach einem Kandidaten mit Ihrem Kompetenzprofil, können Sie sich aber auch selektiv selbst aktiv werden und sich vorstellen.  Tun Sie dies aber frühzeitig und aus einer souveränen Situation – und nicht erst, wenn ihr Wechsel schon unmittelbar bevor steht oder Sie gar dazu gezwungen sind. Nur dann wird man sich positiv an Sie erinnern.

Mehr Sein als Schein

Liegt die Liste mit passenden Vakanzen, interessanten Unternehmen und gegebenenfalls renommierten Personalberatern vor Ihnen, geht es nun endlich um Sie. Die Ansprache, die Eignung Ihrer Person für eine Vakanz oder einen Bereich sowie die Beschreibung Ihrer Vita im Lebenslauf muss auf den Punkt sein. Erklären Sie nicht, dass sie sich bewerben wollen, sondern überzeugen Sie mit Argumenten, dass Sie der oder die Richtige sind. Auch hier kommt es auf eine detaillierte Recherche an.

Welche Mitarbeiter ein Unternehmen sucht oder finden könnte, entdecken Sie mit ein wenig Spürsinn auf der betreffenden Unternehmenswebsite.  Nehmen Sie im Anschreiben kurz und prägnant Bezug zu aktuellen Projekten, Kunden, Beispielen aus dem Unternehmen und erläutern Sie, welchen Beitrag Sie dazu leisten möchten und warum sie das können. Machen Sie sich begehrlich, So zeigen Sie, dass Sie sich intensiv mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben und ein wirkliches Interesse zeigen.

Passen Sie bei Bedarf Ihren Lebenslauf in Maßen daran an, heben Sie die richtigen Erfahrungen hervor, stellen Sie anderes ein wenig zurück.  Denken Sie in diesem Kontext an Ihre Profile in sozialen Netzwerken wie XING, linkedIn oder Facebook. Diese sollten stets aktuell gepflegt, angemessen seriös sein und ebenfalls Ihre Kompetenzen und beruflichen Stationen authentisch wiedergeben. Grundsätzlich gilt immer: Bleiben Sie sich treu, übertreiben Sie es nicht und verkaufen Sie sich nicht als „Idealbesetzung“. Denn die gibt es selten. Spätestens im ersten Gespräch wird sich sonst herausstellen, dass Sie im Zweifel mehr einen Schein als Ihr eigentliches Sein beschrieben haben.

Noch ein letzter technischer Tipp, bevor wir in Teil 2 ins Bewerbungs-Gespräch einsteigen: Senden Sie bei digitalen Bewerbungen stets geschlossene Dateien als pdf. Und benennen Sie diese mit ihrem Vor- und Zunamen, niemals nur „Bewerbung.pdf“ oder „Lebenslauf.pdf. Sie sind schließlich nicht der einzige Bewerber.

Ein Gastbeitrag von Andreas Vill

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