Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein. Ist der Chef jedoch unzufrieden, lässt er Wörter aus oder umschreibt eine mangelhafte Arbeitsweise in zunächst positiv wirkenden Sätzen. Schaut man genauer hin, erkennt man den Geheimcode der Benotung. Wir sagen Ihnen heute, auf welche Formulierungen Sie achten sollten und welche Note wirklich dahinter steckt.

ArbeitszeugnisAm 26. November 1963 legte der Bundesgerichtshof fest, dass jeder Arbeitgeber verpflichtet ist, ein Arbeitszeugnis wahrheitsgemäß aber mit verständigem Wohlwollen zu verfassen. Dadurch solle man dem Arbeitnehmer nicht die Chancen am Arbeitsmarkt erschweren – doch es führte auch zur Etablierung einer eigenen Sprache, die Personaler und Chefs verinnerlicht haben, um eine mangelhafte Arbeitsweise trotz netter Worte deutlich zu machen. So stellen auch vermeintlich positive Aussagen lediglich die Schulnote befriedigend oder ausreichend dar, wenn Wörtchen wie „stets“ oder „vollen“ im Satz fehlen. Nur wer die gängigen Codes entziffern kann, erfährt also, wie die Leistungen tatsächlich bewertet wurden.

Die gängigsten Sätze in Schulnoten


Auch wenn das Arbeitszeugnis individuell auf den ausgeübten Beruf zugeschnitten ist, finden sich in jedem Arbeitszeugnis ähnliche Sätze wieder. Diese stellen in der Arbeitszeugnis-Sprache ein gängiges Benotungssystem dar. Je stärker das Lob, desto besser die Note – Kritik wird entweder ausgespart, verschlüsselt oder durch fehlende Worte kenntlich gemacht. In der folgenden Übersicht sehen Sie, welche Formulierung für welche Schulnote steht. Achten Sie dabei auf die kleinen Aussparungen und Sie werden die Regelmäßigkeit im Notensystem erkennen.

[toggle title="Benotung Arbeits- und Leistungsbereitschaft:"]

  1. Er/Sie zeigte stets ein sehr hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.
  2. Er/Sie zeigte stets ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft.
  3. Er/Sie zeigte Einsatzbereitschaft.
  4. Er/Sie zeigt auch Einsatzbereitschaft.
  5. Satz fehlt ganz.

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[toggle title="Benotung Arbeitsweise:"]

  1. Die ihm/ihr übertragenen Aufgaben führte er/sie stets äußerst effizient, sorgfältig und selbstständig aus.
  2. Die ihm/ihr übertragenen Aufgaben führte er/sie stets effizient, sorgfältig und selbstständig aus.
  3. Die ihm/ihr übertragenen Aufgaben führte er/sie selbstständig, effiziert und sorgfältig aus.
  4. Die Aufgaben wurden mit Sorgfalt und Genauigkeit ausgeführt.
  5. Die Aufgaben wurden im Allgemeinen mit Sorgfalt und Genauigkeit ausgeführt.

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[toggle title="Benotung Fachwissen:"]

  1. Aufgrund seines/ihres umfangreichen und besonders fundierten Fachwissens erzielte er/sie immer weit überdurchschnittliche Erfolge.
  2. Aufgrund seines/ihres guten Fachwissens, erzielte er/sie immer überdurchschnittliche Erfolge.
  3. Er/Sie besitzt ein solides Fachwissen in seinem/ihrem Fachgebiet.
  4. Er/Sie besitzt das erforderliche Fachwissen.
  5. Er/Sie besitzt das notwendige Fachwissen, das er/sie erfolgsversprechend einsetzte.

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[toggle title="Benotung Arbeitsleistungen:"]

  1. XY hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt.
  2. XY hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben  zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt.
  3. XY hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt.
  4. XY hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt.
  5. XY war bemüht, die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen.

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[toggle title="Benotung Verhalten:"]

  1. Sein/ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets vorbildlich.
  2. Sein/ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets einwandfrei.
  3. Sein/ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war einwandfrei.
  4. Sein/ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war ohne Beanstandung.
  5. Sein/ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war in der Regel nicht zu beanstanden.

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[toggle title="Benotung Schlussformel:"]

  1. Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr und bedanken uns bei XY für die stets sehr guten Leistungen. Wir wünschen ihm/ihr für seinen/ihren beruflichen und privaten Lebensweg weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
  2. Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden und bedanken uns bei XY für die stets guten Leistungen. Wir wünschen ihm/ihr für seinen/ihren beruflichen und privaten Lebensweg weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
  3. Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden und bedanken uns bei XY für die guten Leistungen. Wir wünschen ihm/ihr für seinen/ihren beruflichen und privaten Lebensweg weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
  4. Wir bedanken uns für seine/ihre Mitarbeit und wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute.
  5. Wir wünschen ihm/ihr alles nur erdenklich Gute, insbesondere auch Erfolg bei den weiteren Bemühungen.

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Morgen sagen wir Ihnen, welche weiteren Verschlüsslungstechniken es beim Arbeitszeugnis gibt, wie man diese erkennt und welche vermeintlich positiven Formulierungen ein besonders schlechtes Licht auf den Arbeitnehmer werfen.


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  1. brob

    Kann man die Sätze von Arbeitgeber ändern lassen, wenn man nicht damit zufrieden ist?

    • Profilbild von Jessica Walther
      Jessica Walther

      Hallo brob,

      im ersten Schritt sollte man versuchen, mit dem Arbeitgeber/dem Personaler zu sprechen. Fragen Sie ihn, warum das Zeugnis so ausgefallen ist und versuchen Sie ihn mittels Beispielen davon zu überzeugen, dass man bessere Arbeit geleistet hat. Sollte der Arbeitgeber sich weigern das Zeugnis zu ändern, gibt es die Möglichkeit gerichtlich gegen das Zeugnis vorzugehen, denn jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein mindestens durchschnittliches Zeugnis.
      Weigert sich der Arbeitgeber, ein gutes oder sehr gutes Zeugnis auszustellen, muss der Arbeitnehmer in einem Zeugnisprozess beweisen, dass seine Leistungen besser als durchschnittlich waren. Ist der Arbeitgeber hingegen der Meinung die Leistungen wären unterdurchschnittlich und vergibt im Zeugnis somit die Note 4 oder 5, liegt die Beweispflicht beim Arbeitgeber.

      Neben der grundsätzlichen Benotung der einzelnen Arbeitsweisen gibt es jedoch noch weitere Sätze, die ein Arbeitgeber ins Zeugnis einbauen kann, um Kritik zu üben. Diese sind teilweise nicht zulässig und es kann immer gefordert werden, sie zu ändern. Beispiele für unzulässige Äußerungen und weitere Indizien für Kritik können Sie im zweiten Teil unserer Serie lesen, der in Kürze veröffentlicht wird.

      Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage beantworten.

      Viele Grüße
      Jessica Walther vom Selfmade-Erfolg-Team

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