So verschaffen Sie Ihrem Anliegen Ausdruck und Gehör

Wir kommunizieren täglich im beruflichen und privaten Bereich. Wir tauschen uns miteinander aus, mit Kunden, Kollegen, Bekannten, Freunden oder Familienangehörigen. Die Art und Weise, wie wir kommunizieren, kann in bestimmten Situationen über Erfolg und Ansehen entscheiden. Eine geübte Gesprächsführung oder eine ausgefeilte Präsentationstechnik, zum Beispiel in einer Übung im Assessment, kann darüber entscheiden, ob man für einen Job in Frage kommt oder nicht.

Die rhetorische Situation

Früher oder später wird jeder in seinem Leben mit Situationen konfrontiert, in denen man nicht einfach nur darauf los reden kann, sondern sich gezielt überlegen sollte, wie man seinem Gegenüber von der eigenen Meinung überzeugt. Das kann das Referat in der Schule vor den Mitschülern sein, das Vorstellungsgespräch für den Traumberuf oder einfach eine Diskussion unter Freunden, die sich für einen Kinofilm entscheiden müssen.

Situationen, in denen es gilt, Herausforderungen, Probleme oder Konflikte zu überwinden, um alle Gesprächspartner von einem bestimmten Anliegen zu überzeugen, nennt man rhetorische Situationen. In diesen Situationen müssen wir auf unsere Gesprächspartner reagieren und versuchen, alle Beteiligten zu einem gemeinsames Ziel zu motivieren. Wenn dies teilweise oder ganz durch Kommunikation möglich ist, dann spricht man von einer rhetorischen Handlung.

Der rhetorisch handelnde Stratege


Rhetoriker sind ausschließlich strategisch handelnde Kommunikatoren, die in der Rhetoriktheorie „Orator“ genannt werden. In der Antike wurde mit dem Begriff Orator ein Redner bezeichnet, der vor einer Gruppe von Menschen spricht. Heute werden mit diesem Begriff auch Gruppen oder Organisationen bezeichnet, zum Beispiel ein Unternehmen, eine ganze Redaktion oder eine Gruppe Schüler während eines Vortrags in der Klasse. Bevor Sie ihre kommunikative Handlung vollziehen, benötigen Sie jedoch zunächst eine Strategie, die auf Ihr Ziel ausgerichtet ist.

Die rhetorische Strategie

Die Erfahrung zeigt: Für den Redeerfolg ist nicht entscheidend, ob ein Vortrag verständlich, wahr oder sachlich richtig ist, sondern ob er für den Zuhörer verständlich und plausibel und ob der Zuhörer von den Inhalten überzeugt ist.

Deshalb hat sich Ihre gesamte Strategie und das oratorische Handeln auch an Ihrem Gegenüber auszurichten: An welches Publikum richtet sich Ihre Rede und welche Meinungen herrschen bei Ihren Zuhörern?, Welche Erwartungen haben Sie und welche Argumente, welcher Stil und welche Vorgehensweise sind für Ihre Gesprächsbeteiligten angemessen und vielversprechend? Diese Vorüberlegungen sind für Ihren kommunikativen Erfolg von größter Bedeutung.

Das richtige Erfassen der rhetorischen Situation ist ebenso eine notwendige Voraussetzung für das Gelingen Ihrer Rede.

In der klassischen Rede- oder Gesprächssituation, in der sich Redner und Zuhörer gegenüberstehen, haben Sie als Orator die Möglichkeit, auf etwaige Reaktionen der Adressaten einzugehen und Ihre Redestrategie spontan anzupassen. Der Schreiber eines Briefes, die Konzepter einer Werbekampagne oder die Redaktion einer Fernsehsendung haben diese Möglichkeit nicht. Ist der Zuschauer erst von einem Fernsehprogramm gelangweilt oder genervt, dann haben die Macher der Sendung in der Regel Ihren Zuhörer verloren. Sie haben keine Möglichkeit, auf Reaktion, Gestik und Abneigung einzugehen. Der Zuschauer schaltet zum nächsten Programm oder gar den Fernseher ganz aus. Ihre Strategie erlangt in diesen Situationen deshalb eine noch wichtigere Bedeutung. Mit der Strategie ist also die Aufgabe des Redners gemeint, vor der Ausarbeitung des Textes das Verhältnis zwischen Anlass, Thema und Zuhörer richtig zu beurteilen und entsprechende strategische Vorüberlegungen anzustellen.

Die rhetorischen Produktionsstadien der Rede

Seit der Antike unterscheidet die Rhetoriktheorie fünf Produktionsstadien, die beim Abfassen und Aufführen von Texten eine Rolle spielen. Am Anfang stehen Ideen und Überlegungen zu ihrem Redegegenstand. Denn als Redestoff  kann grundsätzlich alles in Betracht gezogen werden. Sie stellen sich also Fragen wie: Um welche Themen geht es und was ist dafür an rationalen Argumenten oder emotionaler Einflussnahme angebracht?

Als Nächstes müssen die gefundenen Inhalte so angeordnet werden, dass sich eine geeignete Gliederung ergibt: Wie sollen Einleitung, Hauptteil und Schluss jeweils aufgebaut sein?

Der dritte Schritt betrifft dann die Formulierung und Ausgestaltung des Textes: Welche stilistischen Mitteln sind sinnvoll, welche rhetorischen Figuren kann ich einsetzen, um die Botschaft erfolgreich zu übermitteln ?

Die letzten beiden Stadien betreffen die Speicherung und Aufführung des zuvor formulierten Textes: Wenn es um eine Rede geht, gilt es, sich den Redetext einzuprägen, den der Orator unter angemessenem Einsatz von Stimme, Mimik und Gestik dem Publikum vorträgt.

Es ist noch kein Rhetorikmeister vom Himmel gefallen. Professionalisierte Redekompetenz, gekonnt ausgearbeitete Reden und zielgerichtetes Training bedarf eine gesunde Mixtur aus Talent, Übung, Wissen und Erfahrung. Sie bilden eine Einheit, von der kein Teil vernachlässigt werden darf.  Wer es versteht, einen Vortrag informativ, verständlich und wirkungsvoll zu gestalten, in einer Diskussion den eigenen Standpunkt gegenüber Anderen überzeugend zu vertreten oder in einer Rede das Denken und Handeln der Zuhörer in seinem Sinne zu beeinflussen, der verfügt über alle notwendigen Einheiten und den Schlüssel zum Erfolg.

Ein Gastbeitrag von Stefanie Montwill

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *