Mit dem Namen Apple verbindet man nicht nur wegweisende Produkte wie iPhone und iPad, sondern auch das geniale Marketing – vor allem durch Unternehmensgründer Steve Jobs (1955-2011). Dieser galt als einer der besten Redner der Welt und hob die Disziplin Produktvorstellung auf ein völlig neues Level.

Steve jobs silüetlerDass heute etwas eigentlich banales wie die Ankündigung der aktuellsten Version eines Smartphones ganze Divisionen von Journalisten beschäftigt, liegt an dem Hype, den Jobs um seine Produkte zu entfachen verstand. Zweifellos besaß er ein Talent, Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Jedoch lässt sich vieles von dem, was Jobs Präsentationen so einzigartig machte, lernen.

Analog kommt vor digital

Eine erfolgreiche Präsentation beginnt nicht damit, dass man PowerPoint startet und anfängt, Folien zu entwerfen. Den überwiegenden Teil Ihrer Vorbereitungszeit sollten Sie ins Recherchieren, Überlegen und Planen investieren. Große Hollywoodfilme beginnen ja auch nicht mit dem ersten Drehtag. Vorher werden erst kurze Handlungsabrisse – sogenannte Treatments – geschrieben, dann das Drehbuch und schließlich werden Storyboards gezeichnet.

Planen Sie Pausen ein

Untersuchungen zufolge folgen Menschen einem Vortrag genau zehn Minuten lang konzentriert. Danach schweifen Sie ab, verlieren das Interesse oder passen nicht mehr auf. Steve Jobs unterbrach seine 30-minütigen Präsentationen deswegen stets nach zehn und zwanzig Minuten jeweils für ein kurzen Videofilm oder eine ähnliche Aktion, um seinem Publikum eine kleine Konzentrationspause zu verschaffen.

Machen Sie es einfach

Steve Jobs hielt seine Vorträge stets einfach, konkret und emotional. Man hat die Komplexität seiner Sprache mit der anderer Topmanager verglichen: Jobs Sätze waren gegenüber denen von Bill Gates nur halb so lang und beinhalteten deutlich weniger Fachvokabular. Bei seiner Keynote sagte der Microsoft-Gründer über das Betriebssystem Windows Vista Sätze wie diese:

Bill Gates: „Der Prozess, durch den wir in diesem Jahr gegangen sind – es gab eine Beta 2 – hat mehr als 2 Millionen Menschen erreicht. […] Wir haben eine unglaubliche Leistungssimulation vorgenommen, die einem mehr als 60 Jahre langen Leistungstest des gesamten Anwendungsmixes gleichkommt.“

Sind Sie schon eingeschlafen? So wiederum pries Steve Jobs im gleichen Jahr iTunes:

Steve Jobs: „Jetzt möchte ich Ihnen einige echt aufregende Dinge über iTunes erzählen […] Wir verkaufen heute mehr als 5 Millionen Lieder pro Tag. Ist das nicht unglaublich? Das sind 58 Lieder pro Sekunde, und zwar in jeder Minute und in jeder Stunde eines jeden Tages.“

Zahlen und Daten verpackte Jobs in greifbare Vergleiche: Der mp3-Player iPod habe „die selbe Größe wie ein Kartenspiel“; den Speicherplatz von 5GB machte er mit dem Slogan „1000 Songs in deiner Tasche“ allgemeinverständlich. Verheddern Sie sich also nicht in technischen Einzelheiten, Kennzahlen und Leistungsdaten, sondern zeigen Sie, zu was eine Verbesserung führt oder welche neuen Möglichkeiten ein bestimmter Fortschritt eröffnet.

Um zu präsentieren wie Steve Jobs sollten Sie die Inhalte Ihrer Folien radikal kürzen. Bei seinen Apple-Keynote-Auftritten, enthielten diese meist nur eine einzige Information: eine Kernaussage, eine Zahl oder ein Bild.

Sprechen Sie alle Sinne an

Im filmischen Erzählen gilt der Grundsatz „Zeigen statt Erklären“. Ein Publikum wird immer mehr Informationen aufnehmen, wenn es Zusammenhänge selbst erlernt. Da es visuelle, auditive und eher praktisch veranlagte Lerntypen gibt, sollte eine Präsentation möglichst viele Sinne ansprechen.

Als Steve Jobs 2008 zeigen wollte, um wie viel schneller der Übertragungsstandard des neuen Apple-Smartphones war, hätte er in einer Tabelle die Daten des Telefons und dessen Vorgängers gegenüberstellen können. Stattdessen zeigte er zwei animierte Bilder: in einem lud eine Website über das Edge-Netz, im anderen über das schnellere 3G. Die Überlegenheit des neuen Produktes war für die Zuhörer unmittelbar erlebbar (im Video ab 5:08). Seine Erläuterungen über die technischen Möglichkeiten ließ Jobs in dem einfachen Satz gipfeln: „Es ist unheimlich flott.“ („It’s amazingly zippy.“)

Präsentieren wie Steve Jobs – Apple Keynote 2008:

Experten mögen sich für Details interessieren, das Publikum eines Vortrags hingegen will mitgerissen werden. „Es ist unheimlich flott“ vereinfacht, konkretisiert und emotionalisiert trockene technische Materie. Überlegen Sie daher bei jedem Satz Ihres Vortrags: Ist er so prägnant, verständlich und begeisternd, dass ihn Zuhörer sofort twittern würden? An diesem Maßstab sollte man sich orientieren, um zu präsentieren wie Steve Jobs.

Weitere Artikel aus der Serie:

  1. Lernen Sie zu präsentieren wie Steve Jobs

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