Zehnte Minute, Elfmeterschießen. Wenige Schritte Anlauf, Schuss und – weit daneben! Diese Situation kann jeder Mannschaft, jedem Spieler passieren, aber nur wenn sich die Schützen nicht von Fehlern beeinflussen lassen und weiter positiv denken, haben sie eine Chance auf den Titel. Denn ohne Motivation und mit negativen Emotionen landet auch die Nationalmannschaft schnell im Abseits. Sagt Birte Steven, und sie muss es wissen: Sie ist Sportpsychologin.

Mindestens 90 Minuten stehen die Spieler unter größtem Druck. Konzentration, positive Emotion und egal was kommt – durchhalten. Dass man dann auch einmal eine Pause braucht, scheint nur logisch. Diese Pause  gibt’s für die Nationalmannschaft immer in atemberaubenden Hotelanlagen, wie derzeit im Fünf-Sterne-Tempel „Dwor Oliwski City Hotel & Spa“ in Danzig.Morgen ist es endlich soweit: Die „Mission 2012“, wie die Nationalmannschaft auf ihrer Facebook Seite titelt, beginnt.Jogis Jungs sind heiß auf den Titel und mit ihnen ganz Deutschland. Prospekte und Läden preisen ungeahnte Fanartikel an und Tausende sind ganz begierig darauf, die deutschen Autofähnchen wieder auszupacken. Dabei wünscht sich ein jeder Fan, dass die Mini-Flaggen möglichst lange dran bleiben können, vielleicht sogar bis in die Nacht zum1. Juli, wenn ganz Deutschland in einem schwarz-rot-goldenen Farbenmeer ertrinkt. Damit dieser Traum wahr werden kann, brauchen die deutschen Nationalspieler nicht nur das richtige körperliche Training, wie Sportpsychologin Birte Steven weiß: „Die Grundvoraussetzung für einen Nationalspieler ist wohl eine hohe Leistungsbereitschaft. Neben der vielen körperlichen Arbeit braucht er aber natürlich auch den Willen und das Durchhaltevermögen. Denn grundsätzlich gibt man immer erst im Kopf auf, bevor die Füße stehen bleiben.“

Zeit zum Durchatmen

Swimming Pool, Tischtennisplatten, Playstation-Raum – nichts wird dem Zufall überlassen. Aber kann das gut gehen oder versacken die Spieler dadurch eher im Urlaubsfeeling? Zumindest die englische Presse war nach der WM 2010 der Meinung, dass Fabio Capellos minimalistisches Camp-Konzept nicht gut für die „Three Lions“ war.
„Im Fall von England wird es wahrscheinlich nicht nur an dem geringen Freizeitangebot gelegen haben, aber wenn sich Spieler an so etwas wie Playstations gewöhnen und es zu ihrer Vorbereitung oder Ablenkung gehört, kann es sich natürlich nachteilig auswirken, wenn man diese Struktur verändert,“ meint die ehemalige Leistungssportlerin Birte Steven. Ob sich viel Luxus im Mannschaftsquartier aber grundsätzlich positiv auswirkt, lässt sich nicht pauschalisieren: „Jeder Spieler sollte individuell entscheiden und merken, was ihm gut tut. Wenn jemand eher Ruhe braucht, ist wenig Trouble das Richtige für ihn. Der andere braucht aber Ablenkung mit Playstation, Kickerraum oder vielleicht sogar seine Frau, um einfach mal abzuschalten. Auf jeden Fall sollte man diese Gewohnheiten nicht plötzlich umwerfen, das kann negative Auswirkungen haben.“
Denn vor allem Leistungssportler gewöhnen sich an klare Strukturen, Trainingsabläufe und Zeitpläne. Werden diese Abläufe plötzlich massiv gestört oder gänzlich geändert, kann das die Spieler aus dem Konzept bringen und Unsicherheit hervorrufen. Ein Trainer muss deshalb einschätzen können, welche Veränderungen zumutbar sind und die Leistung nicht negativ beeinflussen.

Der Kopf muss mitspielen


Birte Steven ist ehemealige Olympia-schwimmerin, Sportpsychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der deutschen Sporthochschule Köln.

Die entscheidendste Motivation für unsere Nationalelf sind aber neben Land und Fans hauptsächlich sie selbst. Ohne die nötige eigene Motivation wird das Runde einfach nicht ins Eckige kommen. Bleibt zu hoffen, dass die Bayernspieler das Match gegen Chelsea schnell abhaken konnten. „Einen Fehler schnell zu verarbeiten und nach vorn zu schauen, ist im Sport extrem wichtig. Wenn ich den Elfmeter verschieße, darf ich in der nächsten Situation nicht daran denken, dass es schon einmal schief gegangen ist. Je mehr ich über die vorherigen Fehler nachdenke, desto mehr bin ich in dem eingeschränkt, was ich aktuell mache,“ sagt die Sportpsychologin.
Und wie wichtig diese positiven Gedanken sind, hat auch Trainer Löw unlängst erkannt. Seit der WM 2006 verteilt er kleine Glücksbringer an die deutsche Mannschaft. Vor sechs Jahren gab es Pfennige aus den Siegerjahren  1954, 1974 und 1990, in Afrika wurden Lederarmbänder in Deutschland-Farben verteilt und dieses Jahr bekam jeder Spieler ein tibetisches Shamballa-Armband für guten Zusammenhalt und positive Energie.
Also Jungs, glaubt an eure Stärken, konzentriert euch aufs Spiel, nehmt Fehler nicht zu ernst und denkt immer daran: Ganz Deutschland drückt euch die Daumen – also 80 Millionen Mal positive Energie!

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