Das Publikum staunte nicht schlecht, als Bill Gates im November 2005 die Möglichkeiten der Windows-Live-Technologie vorstellte. Doch weniger der Inhalt der Präsentation erhitzte die Gemüter als vielmehr die PowerPoint-Präsentation selbst.

Was Gates zeigte, waren kreischbunte, vor Informationen, Stichworten, Pfeilen und Symbolen schier berstende Folien. Die Internetgemeinde war verblüfft, dass der seinerzeit erfolgreichste Unternehmer der Welt mit keiner ansprechenderen Präsentation vor seine Zuhörer trat. Die erschütternden Bilder des Auftritts können bis heute als schlechtes Beispiel dienen.

Wer sich selbst schwer tut mit dem richtigen Umgang mit Microsofts marktbeherrschender Präsentations-Software, kann aus der Anekdote Trost ziehen: Auch den Besten gelingt nicht immer Alles. Aber dabei darf man es natürlich nicht belassen. In Ratgebern wie Stephen M. Kosslyns Clear and to the Point sind unzählige Tipps aufgelistet; es gibt Leitsätze wie Guy Kawasakis 10/20/30-Regel oder die Lessig-Methode; und Vertriebstrainer Stephan Heinrich plädiert sogar dafür, seinem Auditorium überhaupt nichts zu präsentieren, sondern stattdessen vorher eingereichte Fragen zu beantworten. Lichtet man dieses Dickicht, bleiben sechs einfache Regeln, um lange Gesichter im Publikum zu vermeiden.

Die sechs Grundregeln einer erfolgreichen Präsentation

  1. Setzen Sie auf ein reduziertes Design. Wenige, komplementäre Farben sind besser als ein buntes Durcheinander. Mischen Sie Schriften mit und ohne Serifen nicht willkürlich. Das von Ihnen eingesetzte Spektrum von Schriftarten, -typen, -größen, Farben und Effekten muss logisch aufgebaut und sofort verständlich sein. Anregungen und Designbeispiele dafür gibt es etwa bei Presentation Zen zuhauf.
  2. Weniger Text ist mehr. Auf die Folien gehören Schlüsselfragen, -begriffe und -fakten.Besonders einschläfernd sind Präsentationen, bei denen der Vortragende einfach die Folien abliest, beziehungsweise diese lediglich mit ganzen Sätzen aus dem Vortrag bestückt sind. Kosslyn empfiehlt nicht mehr als zwei Zeilen pro Spiegelstrich und nicht mehr als vier Punkte für jede Gliederungsebene. Wenn Sie mit weniger Text auskommen, sollte sich die dritte Dimension der 10/20/30-Regel leicht umsetzen lassen: Nehmen Sie eine Schriftgröße von mindestens 30. Auch textlich sollten Ihr mündlicher Vortrag und die Präsentation systematisch ineinandergreifen: Benutzen Sie da wie dort dieselben Begriffe.
  3. Variieren Sie Ihre Mittel. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Nutzen Sie die verschiedenen Möglichkeiten, Ihr Publikum anzusprechen: Eine Grafik kann einen Zusammenhang klarer machen als viele Zahlen, ein kurzes Video lange Erklärungen ersetzen.
  4. Aber Vermeiden Sie Spielereien. Wenn alle Textblöcke, Pfeile, Diagramme und Bilder effektvoll in die Folie fliegen, nutzt sich dieses Stilmittel schnell ab. Besser ist es, einige wenige Highlights zu setzen, wo es die Dramaturgie Ihres Vortrags unterstützt. Wie alles an Ihrer PowerPoint-Präsentation sollen auch die Animationen Ihrer Argumentation dienen – sie darf weder von ihr ablenken, noch soll sie von ihr ablenken.
  5. Timing ist alles. Jede neue Folie zieht die Aufmerksamkeit des Publikums sofort auf sich. Es wird einen Moment brauchen, um Sie zu verarbeiten. Wechseln Sie Folien daher, wenn Sie eine rhetorische Pause machen. Kommunikationstrainerin Cherie Kerr rät: „Reden Sie nie während eines Folienwechsels.“
  6. Spielen Sie Zuhörer. Versetzen Sie sich in die Perspektive Ihres Publikums. Überarbeiten Sie Ihren Vortrag, überarbeiten Sie Ihre Präsentation. Und kürzen Sie falls nötig gnadenlos. „Kill your darlings“, sagt man beim Schnitt eines Films, trenne dich von deinen Lieblingen. Auch wenn Sie an einer Folie besonders hängen, wenn Sie merken, dass sie Ihren Vortrag nicht besser macht, lassen Sie sie weg.

Es gibt die: die perfekte Präsentation

Wie kann eine überzeugende Präsentation also aussehen? Jeff Brenmans Präsentation zum Thema „Durst“ besticht mit einer derartigen Prägnanz und Klarheit, dass sie auch ohne Vortrag als kurzer Informationsfilm gezeigt werden könnte.

Und Bill Gates? Auch der Microsoft-Gründer feilte an seiner Technik. Seine Präsentation bei der TED-Konferenz im Jahr 2010 war vorbildlich. Auch als erfolgreichster Unternehmer der Welt darf man eben nicht stehen bleiben.

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