Vor knapp einem Monat machte Miroslav Klose (34) in der Zeitschrift „Men´s Health“ einige erstaunliche Geständnisse: Er sei abergläubisch und ziehe den rechten Schuh immer zuerst an, betrete auch das Feld zuerst mit dem rechten Bein. Mit diesen Riten ist der deutsche Nationalstürmer in guter Gesellschaft. Viele große Fußballstars pflegten und pflegen noch heute ihre Rituale. Dabei sind die einen auffälliger, andere gar nicht zu erkennen. Wer geht schließlich schon mit Mario Gomez aufs Klo?

Selfmade-Erfolg hat sechs Rituale der EM-Mannschaften 2012 für Sie zusammengetragen und fragt:  Bringen sie was?

So stutzt Portugal

Ist der Star der portugiesischen Reihen, Cristiano Ronaldo,  vielleicht nur so gut wie seine Stutzen? Die zieht er nämlich seit seiner Kindheit so hoch wie nur möglich – mindestens aber bis übers Knie. Wenn man dadurch eine solche Ballbeherrschung lernt, kann man das jedem Spieler nur empfehlen. Trotzdem konnten die Stutzen allein die Portugiesen nicht vorm 0:1 (0:0) gegen Deutschland schützen und auch gegen Dänemark war der Superstar nicht für die Tore verantwortlich.

Schuhe aus den Niederlanden

Der Mittelfeldspieler Rafael van der Vaart gab offen zu, dass ein Ritual auch bei ihm Einzug gehalten habe. Schießt er ein Tor, wechselt er die Fußball-Schuhe erst mal nicht mehr. Vielleicht hätte ein Ritual um Tore überhaupt zu machen  gegen Dänemark und Deutschland mehr geholfen.

Frankreich – mit Gottes Segen

Wussten Sie, dass Frank Ribery noch einen Zweitnamen hat? Sein muslimischer Name ist eigentlich „Bilal“ und das hat auch etwas mit seinem Spielritual zu tun. Denn ähnlich wie viele christliche Kollegen, schickt er ein Gebet gen Himmel. Das Gebet scheint nur etwas auffälliger als ein schnelles Bekreuzigen: oftmals steht der dribbelstarke Franzose dabei alleine auf dem Platz, breitet die Arme aus und schaut in sie hinein.

England kriegt nicht genug

Der Nationalspieler John Terry soll gleich mehrere Rituale haben. Vor jedem Spiel hört er im Auto die gleiche Usher-CD, sitzt im Mannschaftsbus immer  auf dem gleichen Platz  und umwickelt seine Socken  dreimal mit Klebeband . Zudem trug er jahrelang dieselben Schienbeinschoner als Glücksbringer. Ob bei den vielen Riten genug positive Energie fürs Viertelfinale zusammenkommt?

Hat Spanien ein glückliches Händchen?

Die Nummer Eins bei Spanien scheint alles richtig gemacht zu haben, zumindest bei der EM 2008 und WM 2010. Ob das Ritual von Iker Casillas auch dieses Jahr fruchtet, wird sich erst noch zeigen. Der Ritus geht auf die Weltmeisterschaft 2006 zurück, als sich der Spanier einen Ringfinger ausgerenkt hatte. Um ihn zu stützen, band er  Ring- und Mittelfinger der linken Hand mit Klebeband zusammen. Für diese neue Fingerposition wurden extra Spezialhandschuhe angefertigt. Casillas gewöhnte sich so sehr an die Handschuhe, dass er nicht mehr drauf verzichten wollte. Der Erfolg dieses Rituals ist nicht bewiesen, aber zumindest trug auch Torwart Casillas zu EM- und WM-Titel bei.

Linkstrend in Deutschland

Auch unser Kopfballheld vom Samstag und Mann des Spiels vom Mittwoch pflegt seine Riten – und die sind ganz klar linksorientiert. So hat Mario Gomez dem Magazin „Men´s Health“ gesagt, dass er sich immer erst den linken vor dem rechten Stutzen und den linken Schuh vor dem rechten anziehe. Zudem geht er angeblich immer an das Pissoir links außen. Im Interview gestand er weiterhin ein, dass es zwar wohl nichts bringen würde, aber: „Wenn ich es mal nicht mache und wir verlieren, dann würde ich die ganze Zeit denken: Vielleicht lag es ja daran.“

Mario: es hat geholfen, als Deutschland dich brauchte – bloß nicht aufhören!

Was bringen solche Rituale?

Grundsätzlich gibt es wohl keinen Fußballgott, der durch diese kleinen Riten milde gestimmt wird. Aber es kann dem Spieler helfen, positiv ins Spiel zu gehen. Ein gleicher und strukturierter Ablauf vor der Partie kann zu Routine und Sicherheit führen.

Ob Stutzen, Musik oder Handschuhe wirklich als Glücksbringer taugen, lässt sich schwerlich beweisen. Wie man jedoch an der Glücksforschung sieht: wenn man daran glaubt Glück zu haben, stellt es sich eher ein. Möglicherweise werden negative Gedanken wie „Der Torwart hält ihn sowieso“ dadurch verdrängt, weil die Spieler mehr auf seine Praktiken und Stärken vertraut. Man kann sich damit voll und ganz auf den Schuss konzentrieren, wagt teilweise mehr und vielleicht gelingt dadurch ein Torschuss mehr.
Schwierig wird es nur, wenn man zu sehr auf den Ritus fixiert ist. Ist das Ritual eher kompliziert oder nicht immer umsetzbar, kann sich das auch negativ auswirken. So beispielsweise bei Kolo Touré, dem Nationalspieler der Elfenbeinküste. Er wollte immer nur als Letzter den Platz betreten. Bei dem Achtelfinale der Champions League 2008/2009 kam es zu einer Verletzung seines Mitspielers. Dieser blieb nach der Halbzeitpause noch in der Kabine und wurde behandelt, Kolo Touré weigerte sich daraufhin den Platz vor dem Verletzten zu betreten. Tourés Teamkollegen mussten deshalb zeitweise zu neunt gegen die Elf vom AS Rom antreten.

Die gewisse Distanz zwischen Ritual und Aberglaube sollte deshalb immer beibehalten werden. Vielleicht können diese Riten  helfen, aber für jedes Tor und für jeden Erfolg ist allein der Spieler verantwortlich – und keine Stutzen.

Jessica Walther

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