Fachkenntnisse und gute Qualifikationen sind längst nicht mehr das alleinige Erfolgskriterium für eine gelungene Jobsuche. Auch die sogenannten „Soft Skills“ (weiche Fähigkeiten) werden im Berufsleben immer wichtiger. Doch was sind Soft Skills eigentlich und kann man sie trainieren? Wir sagen Ihnen heute, welche Charaktereigenschaften im Vorstellungsgespräch gefragt sind und wie man sie verbessern kann.

Soft SkillsDie Soft Skills sind laut jedem zweiten Deutschen der Schlüssel für den beruflichen Erfolg. Das ergab eine Umfrage des Karrierenetzwerks Linkedin, an der mehr als 7000 Berufstätige in 15 Ländern teilnahmen. Während die Hard Skills die fachlich erlernten Qualifikationen und Kompetenzen abbilden, geht es bei den Soft Skills um die Persönlichkeit, Charaktereigenschaften und die gesellschaftlichen Umgangsformen. Da diese im Anschreiben oder in Arbeitszeugnissen meist nur angeschnitten werden, gilt es den Personaler von der eigenen Persönlichkeit im Vorstellungsgespräch zu überzeugen.

Die wichtigsten Eigenschaften


Grundsätzlich unterteilt man die einzelnen Soft Skills in Begriffe wie soziale, persönliche, kommunikative und methodische Kompetenz. Diese Oberbegriffe umfassen jeweils Charaktereigenschaften und Fähigkeiten im Umgang mit anderen, mit sich selbst sowie mit der Bewältigung der jeweiligen Arbeitsaufgaben. Zwischen diesen Kompetenzfeldern finden sich jedoch Überschneidungen. Die Soft Skills sind demnach keine festgelegten Werte wie beispielsweise eine Schulnote. Dennoch werden sie mittels Fragen und kleinerer Tests im Vorstellungsgespräch genauso abgefragt wie die Englisch- oder Mathematikkenntnisse. Um diesen Test zu bestehen, kann es hilfreich sein zu wissen, welche Soft Skills es gibt und unter welchem Aspekt sie gewertet werden.

Soziale Kompetenz

Die soziale Kompetenz umfasst alle Fähigkeiten in der Interaktion mit anderen Menschen. Sind Sie beispielsweise teamfähig und können Sie sich gut in andere einfühlen? Wie ist es um Ihre Menschenkenntnis und Ehrlichkeit bestellt? Daneben geht es auch darum, wie kontaktfreudig und konfliktfähig Sie sind oder wie hoch Ihr Kooperations- und Durchsetzungsvermögen ist. Diese sozialen Kompetenzen sind deshalb eng mit der persönlichen Kompetenz verknüpft. Denn wer sich nicht selbst versteht, kann auch meist weder andere Menschen und ihre Handlungsweisen verstehen, noch von ihnen verstanden werden.

Persönliche/personale Kompetenz

Wie bereits angedeutet, umfasst die persönliche Kompetenz unter anderem die Selbstbeobachtung und -Reflexion, Themen wie Selbstvertrauen und Disziplin, aber auch Faktoren wie Engagement, Motivation, Flexibilität, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit zum selbstständigen Handeln. Daneben können noch weitere Punkte zu der personalen Kompetenz gezählt werden, beispielsweise die Bewältigung von Stresssituationen oder die Bereitschaft zur Mobilität.

Unter anderem zielt deshalb die häufig gestellte  Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch darauf ab, einige Soft Skills in der persönlichen Kompetenz zu überprüfen. Wer hierauf keine Antwort geben kann, ist praktisch in dem Test zur Selbstreflexion durchgefallen. Wer sich hingegen nur auf Schwächen bezieht, hat offenbar kein Selbstvertrauen. Und wenn man Aspekte wie Unpünktlichkeit aufzählt, bekommt man in der Benotung der Disziplin und Zuverlässigkeit wohl eher ein „mangelhaft“ in den Notizen des Personalers. Wichtig ist es deshalb, auch einzuschätzen zu können, welche Wirkung die gewählten Worte haben. Und das verknüpft die jeweiligen Fähigkeiten der beiden folgenden Kompetenzfelder.

Methodische Kompetenz

Bei der methodischen Kompetenz geht es nicht nur darum, Situationen zu analysieren und einschätzen zu können, sondern auch, wie es um Ihre Lernbereitschaft und Ihre Fähigkeit, Probleme zu lösen, bestellt ist.

Erwähnen Sie in Ihrer Antwort zu den persönlichen Stärken und Schwächen also den Willen, an den Schwächen zu arbeiten oder bringen Sie einen Lösungsansatz für das Problem vor, zeugt das von einer ausgeprägten methodischen Kompetenz.

Natürlich geht es hier aber auch um anfallende Aufgaben und Schwierigkeiten im Arbeitsalltag. Diese Soft Skills können mit Beispielen aus der Praxis getestet werden, um zu erkennen, wie genau Sie ein Problem feststellen und dann strukturiert lösen werden.

Hier greift dann auch wieder, wie auch bei allen anderen Kompetenzen, Ihre Fähigkeit sich auszudrücken. Denn so geordnet und strukturiert die Lösung auch in Ihrem Kopf sein mag, wenn Sie sie nicht richtig vermitteln können, wird der Personaler die methodische Kompetenz auch nicht einschätzen können. Also dreht sich alles um das nächste und letzte Kompetenzfeld:

Kommunikative Kompetenz

Die Stärken dieses Bereichs werden während des gesamten Vorstellungsgesprächs getestet. Schließlich handelt es sich um genau das: ein Gespräch – nicht um einen Monolog Ihres Gegenübers. Wenn Sie nur schweigen, wirft das demnach nicht nur ein schlechtes Licht auf Ihre kommunikativen und rhetorischen Fähigkeiten, Sie können auch in keinem Kompetenzfeld punkten, weil Ihr Gesprächspartner nun einmal nicht in Ihren Kopf sehen kann.

Darüber hinaus geht es aber auch um die Präsentationsfähigkeit und Ihr grundsätzliches Verhalten. Nicht nur was Sie sagen, sondern auch wie Sie etwas sagen wird hierbei bewertet. Dies kann der Personaler ebenfalls während des ganzen Termins anhand Ihrer Körpersprache, Mimik und Haltung erkennen, aber auch daran, ob Sie ihm widersprechen, ihn unterbrechen oder ihm schlichtweg nicht zuhören.

Aber auch im Bereich der sozialen Kompetenz gibt es gezielte, teilweise versteckte, Tests. Beispielsweise zeigt der Einstieg des Gesprächs, vor dem eigentlichen Jobinterview, wie es um Ihre Fähigkeit bestellt ist, Small Talk zu halten.

Gesamtwirkung und Training

Wie Sie schon festgestellt haben dürften, greifen fast alle Soft Skills ineinander und bauen aufeinander auf. Dahinter verbirgt sich zwar der Nachteil, dass beispielsweise jemand, der nicht sehr kommunikationsfreudig ist, auch nicht sonderlich selbstbewusst wirkt und wahrscheinlich Probleme im Team haben wird. Dafür gibt es aber auch eine positive Nachricht: Soft Skills kann man trainieren. Und der große Vorteil ist, dass ein Rhetorik-, Moderations- oder Präsentationskurs darum nicht nur Ihre Kommunikationsfähigkeit steigern kann, sondern auch die daran anknüpfenden Persönlichkeitsmerkmale.

Wichtig ist eben nur, an sich selbst zu arbeiten, sich zu verstehen, seine Schwächen zu erkennen und dann die Bereitschaft dazu zu haben, auch etwas zu verändern. Allein dieser Prozess wird bereits viele Ihrer Soft Skills verbessern und zeugt schon von einer kritischen Selbstbeurteilung, der Fähigkeit Probleme zu analysieren, Leistungsbereitschaft, Engagement, Motivation und Anpassungsfähigkeit.

Der Schlüssel zum beruflichen Erfolg, wie jeder zweite Deutsche die Soft Skills bewertet, liegt also allein in Ihrer Hand. Denn jedes Kompetenzfeld und die darunter stehenden Charaktereigenschaften bestehen nicht nur aus Wissen, Können oder persönlichen Erfahrungen, sondern auch immer und unbedingt aus Willen und Tatkraft. Denn wer braucht schon den Schlüssel zum Erfolg, wenn er ihn gar nicht will oder ihn nicht benutzt?


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