Es reicht heute nicht mehr, nur ein tolles Logo, Hochglanzbroschüren oder eine gut konzipierte Anzeige in der Zeitung zu haben. So wie die Unternehmer einen Bewerber googlen, wird jedes Unternehmen heute von den Bewerbern, potentiellen Geschäftspartnern oder auch Konkurrenten gegoogelt. Haben Sie gar keine Internetpräsenz mit Ihrem Unternehmen, kann der Eindruck entstehen Sie seien zu klein oder unbedeutend, schließlich ist heute ja jeder im Internet zu finden.

Haben Sie eine Internetpräsenz, egal ob Website, Social-Media-Profil oder Einträge anderer Seiten über Ihr Unternehmen, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Die Darstellungen sind zeitgemäß, attraktiv und vermitteln dem Internetnutzer ein positivesImage von  Ihrer Firma

oder


2. Die jeweiligen Seiten sind fehlerhaft, unordentlich, altmodisch und vermitteln dem Suchenden ein negatives Bild.

Bei Vorstellungsgesprächen frage ich grundsätzlich, ob sich der Kandidat auf der Homepage des Unternehmens informiert hat, und sehr häufig erhalte ich die Antwort: Viele Informationen waren leider nicht heraus zu bekommen.

Ein Unternehmen entschuldigt sich ständig damit, man wisse ja, dass die Homepage überarbeitet werden muss. Meine Aussage ist jedes Mal dieselbe: Dann tun Sie es bitte endlich.

Corporate Identity & Design

Diese beiden Wörter scheinen sich in den letzten Jahren zu Standartvokabeln von Marketingexpertenentwickelt zu haben. Sie predigen uns, auf wiedererkennbare Merkmale wie Logo, gleiche Farbe und Marketingrichtung zu achten. Aber im Netz und gerade bei Stellenanzeigen wird diese Predigt oft vergessen. Dröge und langweilig wirken die meisten Anzeigen. Am besten noch gespickt mit etlichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Oder die Anzeige enthält so viel Text, dass sie sich kein Mensch durchliest.

Egal ob Homepage, Anzeige oder Social-Media-Auftritt: Ihr Unternehmen bleibt eine Marke, die sich bei dem Nutzer einprägt. Das hört nicht bei den Borschüren und Visitenkarten auf, im Gegenteil. Im Internet nimmt diese Markenpräsenz ganz neue Ausmaße an. Schließlich findet man in den Suchmaschinen nicht nur Ihre Homepage. Die Stellenanzeige, in der Sie sich keine Zeit für Optik und Design genommen haben, könnte gleich darunter auftauchen.

Der potentielle Bewerber bekommt so gleich einen Eindruck davon, wie viel Ihnen die Besetzung dieser Stelle wert ist.

Neben dem Design sollten Sie immer an Philosophie und Identität Ihrer Firma denken. Würden Sie das Klima in Ihrem Haus als „langweilig und unmotiviert“ beschreiben? Nicht? Dann sollten Sie darauf achten, dass auch der potentielle Bewerber, Geschäftskunde und Konkurrent nicht diesen Eindruck erhält.

Homepage, Image- oder Stellenanzeigen und Social-Media-Auftritt sollen eine Personengruppe ansprechen und so gestaltet sein, dass sie neugierig machen und spannend klingen. Sie sollen zur Kontaktaufnahme motivieren und letztlich zu mehr Gewinn führen. Auch gegenüber der Konkurrenz sollte man sich keine Fehler erlauben. Das könnte schon beim nächsten Meeting mit potentiellen Kunden ausgenutzt werden.

Alles in allem sollten sich viele Unternehmen mehr Gedanken machen und sich selbst fragen: Würde ich mich auf meine Anzeige bewerben? Ist meine Homepage benutzerfreundlich und interessant aufgebaut? Wie sieht mein Profil auf Facebook, XING und Co. für andere aus?

Auch Stellenanzeigen sind ein Aushängeschild

Mehr als 30 Prozent aller Unternehmen nutzen mittlerweile das Internet für Einstellungen. Sei es über Jobsuchmaschinen, Internetanzeigen oder der gezielten Suche nach Kandidaten. Hier ist sicher der Anteil größerer Unternehmen höher, aber der Mittelstand zieht langsam nach und hat die Wichtigkeit des Netzes erkannt.

Natürlich hat jede Stellenanzeige in erster Linie eine Aufgabe: möglichst viele, gute Bewerbungen zu generieren. Das heißt aber nicht, dass die Anzeige nicht auch eine Imageaufgabe hat.

Je besser man sich präsentiert, desto mehr Interessente werden sich melden.

Wichtige Informationen über die internationale Ausrichtung, eine Entlohnung über einen bestimmten Tarif, Aufstiegsmöglichkeiten und Größe des Unternehmens sind die Basics.

Auch ein Ansprechpartner für Rückfragen sollte benannt werden. Personalisierung ist heute in allen Bereichen wichtig und es gibt nichts Unpersönlicheres, als wenn man nur ein Kontaktformular für seine Bewerbung ausfüllen kann, aber eigentlich wichtige Fragen ungeklärt bleiben.

Bei größeren Unternehmen ist es bereits bekannt, dass sogar eine Software die Vorselektion übernimmt. Möchten Sie einen Menschen oder einen Automaten einstellen?

Daneben kommt natürlich die Beschreibung des zukünftigen Arbeitsplatzes, aber Achtung, einige Formulierungen können trotz positivem Sinn Schaden anrichten:

Gefährlich sind Aussagen wie „unser junges Team“, dabei wird gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen, da es ältere Bewerber diskriminiert. Besser wäre die Formulierung  „unser nettes oder motiviertes Team“.

Es sollten jedoch Übertreibungen vermieden werden. Ich las die Anzeige eines Energie-Unternehmens, das damit um Bewerber warb, dass es einen Garten hätte, in dem die Pausen verbracht werden könnten. Durch wöchentliche Massagen und Obst würde das Gesundheitsmanagement gefördert und auch eine eigene Fußballmannschaft wurde angepriesen.

Das sind sicherlich positive Punkte, könnten aber so manchen Bewerber überfordern und damit abschrecken. Stellen Sie vielmehr die guten Eigenschaften Ihres Unternehmens in den Vordergrund. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, warum Sie bei Ihnen gern arbeiten, in der Hoffnung auf positives Feedback, und stellen Sie diese Aussagen heraus. Interessante Projekte, eigenverantwortliches Arbeiten oder auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind Kriterien, die viele Bewerber neugierig machen.

Nutzen Sie das Netz zum Netzwerken

Networking ist schon lange ein gängiger Fachbegriff. Noch bevor das Internet als fixe Idee existierte, wurden Kontakte und Beziehungen geknüpft, um das persönliche oder berufliche Ansehen zu steigern. Doch nie war das Networking-Prinzip so ausgeprägt, schnell und global wie zu Zeiten des Internets und der Social-Media-Kanäle.

Der Ablauf bleibt jedoch überall gleich: Ich brauche etwas oder habe etwas zu bieten, kenne jemanden, der jemanden kennt, der etwas für mich hat oder etwas von mir braucht.

Als Beispiel: Sucht ein Unternehmer einen neuen Mitarbeiter, nutzt er das private und berufliche Netzwerk. Der Chef berichtet Bekannten und Geschäftspartnern und oft den eigenen Mitarbeitern, von der zu besetzenden Stelle. Diese wiederrum kennen eventuell jemanden, dessen Profil auf die Anforderungen passt. Nicht selten wurden und werden Stellen auf diese Weise besetzt.

Das Prinzip von Facebook, Xing oder Twitter ist nicht anderes. Sie als Unternehmen haben gewisse Kontakte, diese haben wiederrum Kontakte, die andere Kontakte haben…

Nun können Sie die Nachricht verschicken, dass Sie beispielsweise eine Bürokauffrau suchen. Umgehend erscheint die Nachricht bei Ihren 100 Kontakten. Einer dieser Kontakte entscheidet sich dazu, die Nachricht zu markieren oder selbst weiterzuleiten. Das funktioniert bei Facebook mit nur einem Klick. Dadurch sehen es wiederrum seine 200 Kontakte. Durch dieses Schneeballprinzip erreichen Sie mit nur einer Nachricht viele hundert Menschen in kürzester Zeit. Dazu sollten Sie jedes Mal den Link zur ausführlichen Stellenbeschreibung setzen, damit jeder Kontakt sofort die Möglichkeit hat, alles darüber zu erfahren.

Dieses Prinzip lässt sich natürlich auf alles ausweiten, nicht nur auf die Stellensuche. Verlinken Sie sich mit existierenden Geschäftspartnern und filtern Sie aus deren Kontakten neue, potentielle Kontakte.

Verbreiten Sie aktuelle Neuerungen und Aktionen Ihres Unternehmens über die sozialen Netzwerke und geben Sie Ihren Kontakten dadurch die Möglichkeit, schneller von neuen Produkten zu erfahren. Dadurch stellen Sie geben Sie Ihren Kontakten einen kleinen Vorteil gegenüber Personen, die nicht mit Ihnen vernetzt sind.

Neben dem Grundsätzlichen Networking ist ein regelmäßig geführter Account auch vorteilhaft für jede Suchmaschinenplatzierung. Sie kennen das Prinzip sicherlich von der nicht virtuellen Welt: Je mehr über Ihr Unternehmen geredet wird, desto eher werden andere auf Sie aufmerksam, desto mehr Relevanz wird Ihnen zugeschrieben. Nichts anderes ist es im Netz. Wenn ein Unternehmen relevante Nachrichten über mehrere Kanäle verbreitet, steigert das die virtuelle Reichweite, da mehr Leute erreicht werden und auf die Firma aufmerksam werden.

Sicherheit auf den zweiten Blick

Das Internet macht nicht nur Ihr Unternehmen transparenter, auch jeder Bewerber, Konkurrent und Geschäftspartner gibt Informationen über sich preis. Sicherlich ist es umstritten, die Bewerber anhand von Google, Facebook, Schüler- und StudiVZ zu durchleuchten, aber manches Mal hilft diese „Gegenrecherche“ der Bewerbung. Haben Sie beispielsweise einen Bewerber, der eine bestimmte Zeit in seinem Lebenslauf als „Auslandsaufenthalt“ angegeben hat, wäre es möglich, dass dies nur eine kleine Lüge für eine Periode der Arbeitslosigkeit ist. Eventuell finden Sie unter seinem Facebook-Profil ein Bild, das ihn, mit entsprechendem Datum versehen, an einem gänzlich anderen Ort zeigt als im Lebenslauf angegeben?

Natürlich machen zu viele Party-Bilder, wilde Kostümierungen oder Fotos in zerschlissener Kleidung auch einen schlechten Eindruck. Denken Sie aber bitte immer daran, dass Sie wahrscheinlich auch mal ein Bier oder ein Glas Wein trinken. Ihre Mitarbeiter sind Menschen und wenn der Kandidat bestens geeignet ist, sollte sein Privatleben nicht die Einstellung verhindern.

Diese Kriterien sind aber natürlich immer individuell von der Position abhängig, die besetzt werden sollte.

Neben der Absicherung möglicher Kandidaten, sollten Sie aber auch auf Ihre Einstellungen achten und lieber immer zweimal hinsehen. Entscheiden Sie konkret, was veröffentlich werden soll und lassen Sie es immer gegen prüfen. Auch wenn beispielsweise ein Twittertext nur aus 140 Zeichen besteht, ist es genauso relevant wie für eine Pressemitteilung, die Rechtschreibung und Wortwahl zu prüfen. Schließlich ist auch das ein veröffentlichter Text. Klicken Sie auch nicht einfach lustig in den Einstellungen und Veranstaltungen herum, sondern überlegen Sie sich konkret, was wer sehen soll, wenn er auf Ihr Profil kommt und ob der Haken als öffentliche Veranstaltung dort auch wirklich sein soll.

Allgemein gilt: Sicherlich kosten Aufbau, Pflege und genaue Kontrolle Geld und Zeit, aber wie viel bezahlen Sie für die einseitige Anzeige in einer Zeitung, obwohl dieses Medium von weitaus weniger Menschen gelesen werden kann?

Ein Gastbeitrag von Gabi Walther

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *