Der Anteil weiblicher Führungskräfte in deutschen Unternehmen dümpelt bei etwas mehr als 15 Prozent. Er soll steigen, allein schon, weil es sich die Wirtschaft nicht leisten kann, hochqualifizierte Frauen nicht mit leitenden Aufgaben zu betrauen. Ob dafür eine Quote festgeschrieben werden muss, darüber wird gestritten. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und 61 Prozent der Bevölkerung halten eine starre Quote für kein probates Mittel – andere halten sie für nötig.

Aber wie verhalten sich Frauen in Führungspositionen eigentlich? Gleichen Sie ihren männlichen Pendants oder setzen sie erkennbar andere Akzente? Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat genau danach mehr als 1800 Deutsche gefragt.

Die Studie zur beruflichen Kommunikation kommt zu interessanten Ergebnissen. Die Befragten sahen zwischen Männern und Frauen durchaus unterschiedliche Gesprächsstile. Allgemein wurden Männer eher als dominanter, Frauen als tendenziell zurückhaltender und empathischer beschrieben.

Was Führungskräften anbelangt, waren zwar 46 Prozent aller Frauen und Männer der Ansicht, zwischen den Geschlechtern gebe es Unterschiede im Umgang mit Mitarbeitern. Gleichzeitig war es der Mehrheit jedoch gleich, ob sie einen weiblichen oder männlichen Chef haben.

Gefragt wurde auch nach den konkreten Unterschieden im Verhalten männlicher und weiblicher Chefs. Weiblichen Vorgesetzten wurde deutlich häufiger ein größeres Einfühlungsvermögen zugeschrieben, genauso wie Offenheit, Höflichkeit, Verständnis für die Belange der Mitarbeiter und deren bessere Motivation. Vergleichsweise häufig kritisiert wurden an Frauen in Führungspositionen Dominanz, Konkurrenzorientierung und Emotionalität. Die positiven und negativen Zuschreibungen halten sich in etwa die Waage. Als besondere Eigenschaften männlicher Chefs galten Sachlichkeit und Bestimmtheit im Auftreten. In statistischer Hinsicht fielen diese Unterschiede jedoch nicht signifikant aus.

Drei Punkte fallen dabei besonders auf: Erstens wurden weibliche Führungskräfte vor allem von Frauen als dominant und konkurrenzorientiert beschrieben. Zweitens fiel die Charakterisierung von Frauen in leitenden Positionen deutlich positiver von Seiten derjenigen Arbeitnehmer aus, die derzeit einen weiblichen Chef haben. Und drittens stimmten Männer (2 Prozent) wie Frauen (4 Prozent) nur in äußerst geringer Zahl der Aussage zu „Frauen als Führungskräfte haben einen anderen Kommunikationsstil“.

Die Studie kommt zu dem Schluss: „Der Kommunikationsstil von Vorgesetzten wird von Mitarbeitern wenig differenziert wahrgenommen.“ Männliche und weibliche Chefs gelten eben in erster Linie als Chefs. Und beim Kommunikationsstil ist guter oder schlechter Stil entscheidender als männlicher oder weiblicher.

Cord Krüger

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