Erschöpft kriechen Sie nach einem zehn oder zwölf Stunden Tag nach Hause. Energie, sich jetzt noch mit dem Partner, den Kindern, dem Haushalt oder den Freunden zu beschäftigen, ist kaum noch vorhanden. Stattdessen sacken Sie ächzend auf die Couch und nehmen sich vor dringend an Ihrer persönlichen Work-Life-Balance zu arbeiten. Aber wie sollen Sie das angehen?

Work. Life. Balance. Drei Wörter, die eigentlich alle Sehnsüchte widerspiegeln, denen wir hinterherjagen. Wir wollen einen guten Beruf, in dem wir Spaß an der Arbeit haben und dabei auch noch gut verdienen. Wir wollen aber auch nicht zu viel arbeiten, denn wir wollen ja noch am Leben außerhalb der Arbeit teilnehmen und es genießen. Wir wollen Freunde treffen, eine gute Beziehung führen , Zeit mit den Kindern  verbringen und natürlich auch mal  ganz für uns allein  sein – vielleicht joggen gehen oder ein  Buch lesen.  Außerdem wollen wir möglichst ausgeglichen an alle diese Aspekte rangehen können und nicht in Stress verfallen, weshalb  diese Bereiche  in eine Balance gebracht werden müssen. Aber wie kann dieser utopische Wunsch, dass all diese Punkte in einem Gleichgewicht zueinander stehen, funktionieren?

Die Zahlen sprechen dagegen

Gar nicht. Sagen einige. Schon anhand kleiner, mathematischer Überlegungen zeigt sich, dass diese Work-Life-Balance eher schwierig umzusetzen ist. Geht man von einem ganz normalen Arbeitnehmer mit einem acht–Stunden-Arbeitstag aus,  bringen Sie inklusive Mittagspause selbst ohne Anfahrt schon neun Stunden des Tages für den Arbeitgeber auf.


Wenn man dann noch zirka sieben Stunden schläft, bleibt nicht mehr allzu viel Zeit für restliche Aufgaben oder angenehme Freizeitbeschäftigungen.
Das Prinzip, wirklich alles in einem ausgewogenen Verhältnis – zumindest zeitlich – zu handhaben, ist also rein faktisch erst mal nicht  umzusetzen.
Das scheint ein Großteil der deutschen Arbeitnehmer auch so zu sehen. Denn Deutschland liegt in einem internationalen Ranking zum Gleichgewicht zwischen Freizeit und Berufsleben nur auf Platz 15 – sogar noch hinter Ländern wir Mexiko und China. Das zumindest ergab eine Befragung von 16.000 Beschäftigten weltweit.
Kratzen wir also am Rand eines Burn-outs und werden niemals ein Gleichgewicht und somit eine Grundzufriedenheit mit unserem Alltag erlangen?

Es kommt auf den Ansatz an

Zumindest nicht, wenn man es anhand der Aussage: „Ich verbringe viel mehr Zeit  bei der Arbeit als mit meinen Freunden“ bewertet. Aber die Wortschöpfung „Work-Life-Balance“ verleitet dazu. Schließlich trennt es quasi die Wörter Arbeiten und Leben voneinander.

Ein etwas realistischerer Ansatz ist es vielleicht diese Begriffe als Eins zu begreifen und erst einmal festzustellen, dass die Arbeit zum Leben dazugehört und dieses mit ausmacht. Deshalb sollte man sich bemühen auch die Arbeitszeit möglich ausgeglichen und angenehm zu gestalten. Dazu gehört es immer mal wieder kleine Pausen zu machen oder durchzuatmen, sich mal mit den Kollegen in Ruhe zu unterhalten, oder einen Kaffee zu trinken. Die Zeit für so etwas ist eigentlich in jedem Unternehmen und in jeder Position vorhanden – man muss sie sich nur nehmen. Denn oft herrscht noch der Irrglaube vor, der Chef stünde mit einer Peitsche hinter einem, und sobald man sich eine Minute offensichtlich nicht mit den Aufgaben beschäftigt – platzt der Vorgesetzte rein und wirft einem die Kündigung auf den Tisch.
Unter uns: Auch der Chef ist ein Mensch und gönnt sich ab und an eine Kaffeepause.
Mit diesen kleinen Hilfen lässt sich selbst ein eher ungeliebter Job angenehmer gestalten. Denn wir Menschen sind grundlegend sozial orientiert und nette Kollegen können gleich die Stimmung heben, auch wenn Sie bei den meisten Aufgaben lieber schreien würden.

Ein weiterer Ansatz, der zum Gelingen der Work-Life-Balance beitragen kann, lautet: Individualismus. Jeder Mensch ist unterschiedlich und hat demnach auch unterschiedliche Bedürfnisse. Es geht nicht darum Arbeit und Leben direkt in zwei gleichgroße Portionen aufzuteilen, sondern es geht darum was Sie brauchen und womit Sie sich wohlfühlen.

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