Glückliche Mitarbeiter sind produktiver, motivierter und melden sich seltener Krank – so zumindest die Theorie. Viele Unternehmen haben diesen Trend entdeckt und werben damit, dass es bei Ihnen eine hervorragende Work-Life-Balance gibt. Aber wie sehen das die Arbeitnehmer? Bei welchem Unternehmen arbeitet man gerne?

Fotolia.com - Work-Life-Balance

Mal positiv, mal negativ. Über die Arbeitsbedingungen bei einem Unternehmen hört man viele unterschiedliche Meinungen.

Das Unternehmen Aldi Süd hat auf seiner Homepage extra eine Kategorie zum Thema Work-Life-Balance erstellt.
Dort werden vor allem die Vorteile in Bezug auf ein geregeltes Privatleben aufgezeigt: Die Führungskraft hat zwei Tage in der Woche frei, muss nicht jeden Tag von 6 bis 22 Uhr in der Filiale stehen, sondern kann sich die Zeit einigermaßen flexibel einteilen und der Firmenwagen steht auch zur privaten Nutzung zur Verfügung. Dieser Abschnitt endet mit den Sätzen: „Ihre Work-Life-Balance liegt uns am Herzen. Denn nichts stärkt Sie mehr als ein Leben im Gleichgewicht.“
Trotzdem stand gerade ALDI Süd erst im Mai nach einem Beitrag bei SternTV in der Kritik. Drei ehemalige Mitarbeiter  berichteten von Mobbing, Schikanen und Drohungen . Weitere tausend Zuschauer sollen sich später mit ähnlichen Hinweisen zu den Arbeitsverhältnissen bei Aldi Süd bei SternTV gemeldet haben.


Aber nicht nur beim Einzelhandel klaffen Anspruch und Realität manchmal auseinander. Selbst einer der modernsten und gefragtesten Arbeitgeber weltweit hat mit so unterschiedlichen Meinungen der Mitarbeiter zu kämpfen: Google.

Work-Life-Balance bei Google – Paradies oder Parasit?

Quelle: Google.com

… ist eines der Unternehmen, in dem Arbeit wie eine Freizeitbeschäftigung wirkt. Im Googleplex, dem Hauptquartier im kalifornischen Mountain View, gibt es für die freien Minuten der Mitarbeiter alles, was das Herz begehrt: Volleyballfelder, Videospiele, Massage- und Sportangebote. Natürlich ist auch das Essen in der Kantine und in den vielen Cafés kostenlos. Einziges Manko an dieser Versorgungsphilosophie: Fast jeder Neuling lernt die sogenannten „Google seven“ kennen, die sieben Kilo, die man als Neuling durch das gute Essen zulegt. Aber schnell kann man das beim Personal Trainer oder im Yoga-Kurs (natürlich auch auf dem Google Campus und kostenlos) wieder abtrainieren.
Will man von einem Gebäude zum anderen, helfen Fahrräder oder Roller und zur Kantine kann man im Google-Gebäude in Zürich auch über eine Rutsche oder Feuerwehrstange gelangen.
Auch wenn andere Firmen ebenfalls mit eigener ärztlicher Versorgung, Fitnessstudios und Schwimmbädern aufwarten – Gimmicks wie die Feuerwehrstangen oder ganz speziell gestaltete Konferenzräume im Iglo-Stil machen Google als Arbeitgeber einzigartig.

Genauso einzigartig soll auch die Arbeitsphilosophie beim Suchmaschinengiganten sein: Natürlich muss man hart arbeiten, aber es soll nicht wie harte Arbeit wirken. Die Mitarbeiter können und sollen sogar 20 Prozent ihrer Arbeitszeit mit eigenen Projekten zubringen- zumindest die Entwickler. Und für die Ideen ist jeder bei Google verantwortlich, egal in welcher Position er arbeitet. Die Entscheidungsgewalt soll nicht nur bei der Führung liegen, die Krawatten und Anzüge lassen die Googler (wie sich die Mitarbeiter der Firma nennen) ohnehin im Schrank.

Ist Google damit der Arbeitgeber der Zukunft, der Traum für jeden Absolventen und der absolute Spitzenreiter im Bereich der Work-Life-Balance?
Zum Teil sicherlich.
Google erhielt im Jahr 2007 weltweit 1,7 Millionen Bewerbungen und gilt noch immer alsbeliebtester Arbeitgeber für IT-Profis. Dennoch ist nicht jeder Job bei Google gleich. Das Küchenpersonal darf die Freizeitangebote beispielsweise nicht nutzen und die 20-Prozent-Regelung, Arbeitszeit mit seinen eigenen Projekten zu verbringen, gilt nur für die IT-Tüftler. Zeitweise wird auch mal Kritik über die Arbeitsverhältnisse laut, durch ehemaligen Mitarbeiter, die das perfekte Bild der Firma widerlegen. Einer dieser früheren Mitarbeiter soll mittlerweile bei Microsoft angestellt sein und hat einen anonymen Blog zur Google-Wahrheit erstellt. Unter dem Titel „Just Say „No“ to Google“ (dt. Sag „Nein“ zu Google), erzählt er von 24-stündiger Erreichbarkeit, Platzmangel und den wirklichen Hierarchieketten. Ein weiterer Mitarbeiter aus Mountain View  übte zudem in einem Online-Portal Kritik über die Stellenvergabe und Aufgabenverteilung in dem Konzern: „Eines der größten Probleme in der Verkaufsorganisation ist, dass Google die Besten und Klügsten von den Top-Universitäten anwirbt, und ihnen dann Jobs gibt, die auch jemand mit einem normalen Schulabschluss machen könnte.“
Weiterhin spricht sich die Unternehmensleitung zwar theoretisch für eine gute Work-Life-Balance aus, praktisch scheitert dies jedoch meistens an den vielen Aufgaben. Viele Mitarbeiter bleiben täglich zehn bis zwölf Stunden in den Großraumbüros und das nicht nur zum Schwimmen und Playstation spielen.

Google schafft also mit seinem offenen Klima und den vielen Angeboten eher eine Vermischung von Freizeit und Arbeit und ist damit nicht der klassische Spitzenreiter im Ausgleich von Berufs- und Privatleben. Denn aus einem 12-Stunden-Tag wird noch keine Work-Life-Balance, nur weil man eine Spielzeugkiste daneben stellt.

Die beliebtesten Arbeitgeber – auch bei der Work-Life-Balance

Aber wer hat nun die begehrtesten Arbeitsplätze und wer sorgt mit den Arbeitszeiten für einen geregelten Ausgleich zum Privatleben?
Das internationale „Great Place to Work“ Institut hat zumindest auf die erste Frage eine Antwort geliefert und die 25 besten Arbeitsgeber weltweit ausgezeichnet. Dabei gingen die ersten drei Plätze an Microsoft, SAS und den Datendienstleister NetApp. Diese Erhebung spricht aber nicht gezielt über den Ausgleich zwischen Privatleben und Beruf, weshalb die Arbeitergeber-Bewertungsplattform Kununu.com diese Lücke jüngst geschlossen hat. Nicht weltweit, aber zumindest in Bezug auf Deutschland, hat die Plattform anhand von 158.000 Bewertungen die Top 10 Arbeitgeber in der Kategorie „Work-Life-Balance“ gekürt.
„Wenn Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter Bedingungen schaffen, dass diese neben ihrer Arbeit Zeit für Erholung finden, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die generelle Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Mit unserem Ranking holen wir jene Unternehmen vor den Vorhang, die bereits auf Work-Life-Balance setzen“, sagt Martin Poreda, Geschäftsführer der Bewertungsplattform, zu der Erhebung.
Platz eins sicherte sich mit 4,82 Punkten (von maximal fünf Punkten) ein eher unscheinbares Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern: Der Ingenieurs- und IT-Dienstleistungsanbieter aam it GbmH. Vor allem das Arbeitsklima und die flexiblen Zeiten wurden gelobt, aber auch die Aufgaben und flachen Hierarchien.
Auf Platz zwei und drei konnten sich die Sparda-Bank München mit 4,73 Punkten und der Personaldienstleister Humaniax GmbH mit 4,70 Punkten platzieren.
Microsoft Deutschland GmbH erhielt auf dem Portal übrigens nur eine durchschnittliche Bewertung von 3,16 Punkten, obgleich es von einem anderen Institut zum beliebtesten Arbeitgeber weltweit gewählt wurde.

Ein überschaubares und persönlicheres Klima scheint sich aus der Sicht der Mitarbeiter also besser auf die Work-Life-Balance auszuwirken, als private Nutzung der Firmenwagen, Spielekonsolen und Massagesessel.


Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie in Bezug auf die Work-Life-Balance mit Ihrem Arbeitgeber erlebt? Besuchen Sie Selfmade-Erfolg auf Facebook und schreiben Sie uns Ihre Meinung. Wir freuen uns darauf.

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